April 15, 2018: Easter 3 (Deutsche)

Easter 3, 2018. Zion, Baltimore.
Acts 3:12-19; Psalm 4; 1 John 3:1-7; Luke 24:36b-48
Pastor Eric Deibler

Es gibt Regeln für Alles. Es gibt Regeln, wenn man sich bei einer politischen Partei einschreiben lassen möchte. Es gibt Regeln, um ein Pastor oder eine Pastorin zu werden. Es sei denn, daß man auf eigene Faust eine Kirche gründet und sein eigener Pastor ist. Ich kann Euch aber garantieren, sobald es mehr als zwei oder mehr Menschen gibt, wird es auch Regeln geben.

Es gibt Regeln dafür, wie man seine Nahrungsmittel bekommt. Man kann nicht einfach in einen Supermarkt reinspazieren und nach Belieben einfach so nehmen was man will, noch kann man einfach von einem Acker nehmen, was man möchte. Wähle irgendeinen Bereich aus, und ich kann garantieren, es gibt dafür irgendwo Regeln. Wie es sich herausstellt, gab es in der Antike Regeln dafür, wie man feststellt, ob jemand ein Gespenst sei, oder nicht. Lass uns aber erstmals einen Schritt zurücktreten.

In der Auferstehungsgeschichte von Lukas gehen die Frauen früh am Morgen zum Grab. Der Grabstein ist aber weggewälzt, und zwei Männer mit glänzenden Kleidern verkündigen, daß Jesus auferstanden sei. Die Frauen gehen zurück und teilen den anderen Jüngern die Nachricht mit; der Bericht erscheint den Jüngern aber als wär’s Geschwätz. Interessanterweise verwässert unsere Übersetzung die Reaktion der Jünger. Das originale Griechisch deutet an, daß die Jünger denken, die Frauen seien wahnsinnig. Petrus jedoch rennt zum Grab hin um zu bestätigen, daß es leer sei.

Am gleichen Tag gehen zwei aus der Gruppe von Nachfolgern Jesu auf dem Weg nach Emmaus, als sie Jesus auf unbekannte Weise begegnen. Sie äußern deren enttäuschte Hoffnung, daß Jesus derjenige sei, der Israel erlösen würde. Jesus aber erklärt ihnen, wie alles genau nach der heiligen Schrift geschehen ist. Sie laden Jesus ein, die Nacht bei ihnen zu verbringen. Während des Abendessens, als Jesus das Brot segnet und bricht, werden ihre Augen geöffnet und sie erkennen Jesus, der ist aber vor ihren Augen verschwindet. Sie eilen zurück nach Jerusalem und sagen den anderen Jüngern, was passiert ist, und entdecken, daß Jesus auch vor Petrus erschienen ist.

36 Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! (Luke 24:36) Es ist die gleiche Begrüßung, die Jesus in seinen nachösterlichen Erscheinungen im Johannesevangelium benutzt. Sie ist angemessen, angesichts der Furcht der Jünger. Mehr als bloß eine Begrüßung, „Friede“ ist ein häufiges Thema bei Lukas, das in den Hymnen von Zacharias, den Engeln und Simeon vorkommt. Als die erst Worte des auferstandenen Jesu in Lukas, verheißen sie die sofortige Erleichterung ihrer Furcht. Sie präsentieren aber auch das allumfassende Thema des nach-österlichen Lebens in Christus. Und sie sind auch das biblische Fundament eines der ältesten Ritualen der Kirche, nämlich der Friedensgruß. Es ist mehr als ein freundliches Ritual. Es ist körperliche miteinander denselben Frieden teilen, den der auferstandene Christus seinen Jünger angeboten hat.

Dieser transzendentere Moment wird aber von dem Zweifeln der Jünger unterbrochen. Sie glauben, sie sehen ein Gespenst. Um sie zu überzeugen, daß es wirklich er sei, zeigt Jesus ihnen seine Hände und Füße. Jesus bietet Beweise nach den akzeptierten Regeln seiner Zeit an. Es gab mehrere Prüfungen für Gespenste in der Antike: Man konnte in den äußeren Gliedmaßen nach Knochen suchen. in den Händen und Füßen. Man konnte sicherstellen, daß die Füße den Boden berührten. Und Geprüfte konnte die Zähne zeigen und etwas essen.

Noch bedeutungsvoller als seine Hände und Füße aber ist seine sich offenbarende Aussage: „Ich bin’s selber“. Nachdem er den gebratenen Fisch aß, erinnert er die Jünger daran, daß alles ihm passiert ist, um den heiligen Schrift zu erfüllen. Das Resultat, nach Jesus, ist „daß gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Fangt an in Jerusalem 48 und seid dafür Zeugen.“ (24:47-48)

Lukas betont die Körperlichkeit des auferstandenen Jesu. Ganz deutlich will Lukas einen Jesus aus Fleisch und Knochen darstellen, und nicht bloß ein spiritueller Präsenz oder Erscheinung. Der Punkt ist aber nicht der physikalisch auferstandene Körper an und für sich. Lukas selber hatte den auferstandenen Jesus nie gesehen. Der Punkt ist, daß Jesus wirklich echt und wahrhaftig am Leben ist! Also, wie ist Jesus heutzutage wirklich echt und wahrhaftig am Leben in der Welt? Wo berühren wir die Hände und Füße Christi? Wie können wir Speise für die Welt besorgen, durch die andere die Realität Jesu erfahren werden? Der Antwort lautet: durch Uns.

Warum so viel Betonung auf der Körperlichkeit des auferstandenen Christi? Weil auch nach der Auferstehung die Betonung auf der eingeborenen Gegenwart Christi liegt. Gott in menschlicher Form hört nach Weihnachten nicht auf zu existieren. Gott in menschliche Form hört nach der Kreuzigung nicht auf zu existieren. Gott in menschlicher Form hört nach der Auferstehung nicht auf zu existieren. Fasst meine Hände. Fasst meine Füße. Ich habe Hunger. Gibt’s was zu essen?

Jesus sagt seinen Jüngern: „Friede sei mit euch“. Das Wort, welches Jesus verwendet hätte, wäre das aramäische Äquivalent des hebräischen Wortes „Schalom“ gewesen. „Schalom“ als Konzept ist viel bedeutender und allumfassender als ein einfacher Mangel an Konflikt, wie wir typischerweise die Idee von „Frieden“ verstehen. Ja, „Schalom“ heißt Friede im Sinn von einem Mangel an Konflikt. Es heißt aber auch Harmonie, Ganzheit, Vollkommenheit, Gedeihen, Wohlstand, und Seelenruhe. In anderen Worten: „Möge alles sein, wie Gott es beabsichtigt hat.“ „Blinde werden sehen, Lahme werden gehen, Aussätzige werden rein, Taube werden hören, Tote werden aufstehen, und Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Das Reich Gottes ist nahegekommen.

In Lukas‘ Bericht ist aber die Bestätigung der körperlichen Realität Jesu nicht das endgültige Ziel. In der Realität Jesu wird die Realität von Gottes Plan offenbart. Diese Realität ist zweifältig. Erstens: Die Realität des Plans Gottes ist, daß die andauernde Gegenwart Gottes in der Welt, das Ereignis des Nahekommens des Gottesreiches, auch wird weiterhin eingeboren sein. Zweitens: Die Realität des Plans Gottes bewegt uns immer vorwärts, in die Zukunft hinein.

Jesus beauftragt die Jünger damit, Zeugen zu sein und in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern zu predigen. Im apostolischen Glaubensbekenntnis bekennen wir den Glauben, daß Jesus von dem Tod auferstanden sei, an die Auferstehung der Toten und die Vergebung der Sünden. Wie die ersten Jünger haben auch wir die echte Gegenwart Christi erfahren. Diese Aussagen, die wir bekennen, sind nicht nur Lehren, die wir bestätigen. Sie sind vielmehr die Basis für unsere Berufung, Zeugen dieser wunderbaren Sachen zu sein.

Wir sind in der letzten Zeit sehr vorsichtig geworden, wenn es darum geht, andere zu Berühren oder von anderen berührt zu werden. Und nicht ohne guten Grund. Denn es gibt eine echte Verwundbarkeit, wenn man einem anderen erlaubt, körperlichen Kontakt mit sich zu haben. Und wie wir in den letzten Jahren immer und immer wieder gesehen haben, kann das nötige Vertrauen, die Verwundbarkeit der Berührung zu erlauben, von andern mißbraucht werden.

Wie alles Andere in der Welt, ist die Kraft der menschlichen Berührung von Sünde und Bösem verdorben worden. Umso mehr Grund, sie zurück zu gewinnen - für uns, die Kirche, den Körper Christi, die eingeborene Gegenwart Gottes in der Welt. Denn nichts ist für uns grundlegender; außer Speise und Wasser ist kein Bedürfnis dermaßen grundsätzlich wie das Bedürfnis nach Berührung. Neugeborene Kinder, die gehalten und berührt werden, wenn alle andere Umständen gleich sind, sind die Kinder, die gedeihen. Neugeborene, die weder gehalten noch berührt werden, werden schwach und entwickeln sich langsamer. Ein Artikel in der neusten Ausgabe von der AARP Zeitschrift (Ja, ich bekomme sie, denn ich bin mehr als 50 Jahre alt und ich möchte meine 10% Rabatt von Duncan Donuts), dieser Artikel hob die Tatsache vor, daß Sportmannschaften, wo die Spieler einander berühren oder umarmen, öfter gewinnen als die Mannschaften, wo die Spieler einander wenig berühren. Wenn wir den Friedensgruß miteinander teilen, teilen wir die heilende Berührung Christi miteinander.
In seinem Buch „Jetzt daß ich Krebs habe, bin ich Ganz“ (2007) schreibt der presbyterianische Pastor John Robert McFarland:

Mein Freund Bill besuchte mich eine Woche, nachdem ich vom Krankenhaus entlassen wurde. Er fuhr 100 Meilen in beide Richtungen um eine Stunde mit mir zu verbringen. Wir sind seit 30 Jahren befreundet…

Als er wieder los mußte, saß er neben mir auf Sofa und umarmte mich. Ich hielte sein Bein fest, wie ein kleiner Knabe seinen Arm um seines Vaters Knie wickeln mag. Wir beteten zusammen. Er sagte, er liebe mich. Ich habe es versucht, ihm zu sagen, daß ich ihn auch liebe, kriegte es aber nicht raus. Ich glaube aber, er hat’s verstanden. Außer Händeschütteln war das, glaube ich, das erste Mal in über 30 Jahren, daß wir einander berührt haben.

Jetzt da ich Krebs habe, scheint es eine unausgesprochene Erlaubnis für andere Leute zu geben, mich zu berühren, und für mich, sie zu berühren. Eigentlich komisch, daß ein zerbrochener Körper mehr berührbar sein soll als ein ganzer. Oder bin ich mehr berührbar, weil meine Seele zerbrochen ist?... In all den Geschichten von Jesu gibt es nur eine Instanz, wo Jemand ihn berührte, als er noch im Körper am Leben war. Er, natürlich, berührte viele… Das einzige Mal, daß jemand sich ausstreckte, um Jesus zu berühren, war, um ihn zu verraten, Judas mit einem Kuss, die Machthabenden seiner eigenen Religion und Leute, die ihn schlugen.

Irgendwie können wir einander in unserer Gebrochenheit auf Weisen berühren, wie wir es nie in Ganzheit können. Gott mag es, gebrochenen Sachen zu verwenden: gebrochenes Brot, gebrochene Körper, sogar Beziehungen, die mit einem Kuss gebrochen worden sind.

Mein Körper und meine Seele sind durch Krebs gebrochen worden. Das heißt, ich kann berühren und berührt werde. Ich bin für meinen Krebs dankbar.

„Siehe, berühre meine Hände und meine Füße“ sagt Jesus seinen Jüngern. „Berühre die Wunden deiner Mitmenschen, und du berührst mich.“

Es gibt keinen Zweifel, daß Sachen wie z.B. unsere Kirchgebäude wichtig sind. Dies ist, ohne Zweifel, einer der schönsten Altarräume, in denen ich je gedient habe. Ich liebe der Symbolik der Buntglasfenster, die künstlerische Holzarbeit, der Glaube und die Leidenschaft, die in diesem Gebäude stecken. Es ist ein sakraler Ort.

Lukas aber erinnert uns daran, daß das sakrale Zentrum des Lebens nicht ein Gebäude oder Programm ist. Das Zentrum unserer Leben in Christus findet man in unserem täglichen Dienst als der eingeborene Körper Christi. Das geistliche Zentrum unserer Leben als die Hände und Füße Christi wird da gefunden, wo wir uns bis in die Achselhöhlen vertiefen in den physikalischen, emotionalen, geistigen, spirituellen, und menschlichen Wunden der Leute in unsere Kirche, unsere Gemeinschaft, und unserer Welt. Unser geistliches Zentrum wird jedes Mal neu-etabliert, wenn wir uns um Wort und Sakrament versammeln, und kontinuierlich den wahren lebendigen Gott erleben, der uns zukommt und uns für Dienst in dieser Welt ermächtigt.

„Siehe“ sagt Jesus, „berühre meine Hände und meine Füße. Berühre die Wunden deiner Mitmenschen, und du berührst mich.“ Gott hat die echte Welt berührt durch das echte Leben von Jesus, dem Christus. In Ihm finden wir unser Zentrum, unsere Bedeutung, unsere Zuflucht, und unsere Stärke. Mögen wir andere berühren, wie er uns mit seiner Liebe berührt hat. AMEN

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