April 8, 2018: Lent 5B (Deutsche)

Lent 5B, 2018. Zion, Baltimore.
Jeremiah 31:31-34; Ps 51:1-12; Hebrews 5:5-10; John 12:20-33
Eric Deibler

Ich werde es nie vergessen. Wir waren gerade in Anke’s Vikariatsstelle in Williamsport, MD, angekommen. Anke’s Mutter und Schwester waren bei uns zu Besuch, und wir luden Ankes Supervisor Greg und seine Frau zum Abendessen ein. Meine Schwiegermutter und Schwägerin redeten von all dem, was sie in der Zeit unternehmen wollten, einschließlich einen Besuch bei dem Naturgeschichtemuseum in Washington, DC. Greg sagte „Oh, ja! Das ist echt großartig! Man kann dort alles Mögliche sehen, wie z.B. die Evolution der Arten“. Darauf reagierte ich ganz todernst und sagte „Wir gebrauchen das E-wort in dieser Familie nicht.“ Greg saß da, Mund offenhängend. Er war absolut verblüfft. Bis ich endlich sagte „Greg, ich scherze nur.“ Und dann habe ich losgelacht.

Ich glaube nicht, daß Evolution ein Schimpfwort ist, und wir sehen es tatsächlich in der Lesung von Jeremia. D.h., wir sehen den Höhepunkt der Evolution vom Verständnis von Bund. Der Text von Jeremia ist der krönende Abschluss einer Serie von Überlegungen über die Eigenschaften eines Bundes. Das ist das Thema von all unseren alttestamentlichen Lesungen während dieser Passionszeit gewesen. Es ist die Geschichte von der Verheißung Gottes, mit Sünde umzugehen, indem er sie nicht zerstöre, sondern auf kreative Weise umwandle. Die Verheißung hat Noah zuerst bekommen. Sie wurde verstärkt und verfeinert mit Abraham. Sie wurde kodifiziert unter Mose. Letzte Woche haben wir gesehen, wie sie in der Wüste geprüft wurde. Und diese Woche sehen wir, wie sie wieder transformiert wird.

Diese Woche bekommen wir Jeremias Vision von einem Bund, der in die Herzen eines treuen Volkes geschrieben wird. Dieser neue Bund wird dem Volk nicht von irgendeiner externen Macht auferlegt. Stattdessen wird er spontan von innen aufwachsen. Er wird in der intuitiven Kenntnis von Gott gegründet: „Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR…“

Der neuen Bund wird einen neuen Grad der Intimität mit Gott mitbringen. Der Bund von Mose wurde durch die Metapher von Gott als Ehemann gefiltert. Aber dieser neue Bund bringt mit sich eine direkte Beziehung: „…sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.“ Und diese intime Kenntnis von Gott, welche durch den neuen Bund bekannt wird, ist sowohl moralisch als auch intellektuell. Es geht um eine Neudefinierung des Willens. Es geht um eine Erneuerung des Verständnisses. Denn dieser neuen Bund des Herzens hat sein Ursprung in Gottes gnadenreicher Vergebung der Sünden. Gottes Art, mit Sünde umzugehen, wird nicht Zerstörung sein, sondern Vergebung. Es wird in einer intimen Beziehung gipfeln, die uns von innen transformiert. Wir werden verstehen, daß unsere Freiheit darin liegt, Gottes Ziele und Ideale für die Welt zu erfüllen.

Na, hört sich gut an, was? Aber was bedeutet das? Wie soll das aussehen? Naja, es sieht wie Jesus aus.

In dem Text von Johannes sagt Jesus „Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der wird's verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein.“

In den Vokabeln des Johannesevangeliums meint Verherrlichung den Tod und die Auferstehung Jesu. Jesus sagt „Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein.“ Das heißt, wir müssen Jesus zum Kreuz nachfolgen. Wenn wir es erlauben, uns von dem Kreuz konfrontieren zu lassen, erlauben wir es, daß das Kreuz uns mit uns selber konfrontiert. Wir erlauben dem Kreuz, uns unsere Gebrochenheit, unsere Sündhaftigkeit, unsere Unvollkommenheit, unsere Eigenwilligkeit zu zeigen.

Ich habe neulich das Folgende überlegt. Im Johannes 15 sagt Jesus „Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Und im Johannes 17 sagt Jesus „Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.“

Nun. Erstens, im Johannesevangelium bedeutet die Verherrlichung Jesu seinen Tod und Auferstehung. Seine Verherrlichung wird durch sein Sterben und Auferstehen erreicht. Zweitens sagt Jesus, daß er in uns bleibt, und wir in ihm bleiben. Jesus wohnt in uns, auf intimste Weise. Er ist untrennbar mit unserem Sein verwickelt. Drittens sagt Jesus, daß er uns die Herrlichkeit gegeben hat, die Gott ihm gegeben hat.

Also, wenn Jesus uns die Herrlichkeit gibt, die Gott ihm gegeben hat, und wenn das Sein Jesu mit unserm Sein untrennbar verwickelt ist, und wenn die Verherrlichung Jesu sein Tod und Auferstehung ist; Dann heißt das, daß als Jesus an dem Kreuz starb, wir mit ihm starben. Und als Jesus wiederauferstand, standen wir wieder auf mit ihm.

Wieso ist dann der Zustand, den Jeremia vorhersagte, noch nicht erreicht worden? Wenn Jeremia auf prophetische Weise verspricht, daß der neuen Bund ein Bund des Herzens sein wird, ein verinnerlichter Bund; und dieser neue Bund durch den Tod und Auferstehung Jesu etabliert wird; Warum ist nicht alles in Butter, und Gott zieht an allen Fäden. Wieso ist es, daß wir unserem puren Instinkt nach nicht die Instrumente von Gottes Segen sind, die Jeremia sich ausmalte? Wieso ist es noch ein Kampf, das eigene Leben zu führen, wie Gott es will, als Instrumente von Gottes Frieden, Gerechtigkeit, und Gnade für die Welt?

Psalm 51 erklärt uns das. Insbesondere die Versen 12-14:
12 Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz,
und gib mir einen neuen, beständigen Geist.
13 Verwirf mich nicht von deinem Angesicht,
und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir.
14 Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe,
und mit einem willigen Geist rüste mich aus.
Klingt gut, genau nach Jeremia und Jesus.
Der Drehpunkt aber ist im letzten Satz: „mit einem willigen Geist rüste mich aus.“
Wir sind nicht bloß Marionetten.

Heißt das dann, daß der neue Bund, von dem Jeremia redete und der durch Jesus erfüllt wurde, irgendwie unvollständig oder defekt ist? Natürlich nicht. Was es aber klar macht, ist, daß jeder Ausdruck von Sünde sein Wurzeln in derselben Sünde hat. Es ist die gleiche Sünde wie von Adam und Eva. Es ist die Sünde, unsere Autonomie zu fordern auf Kosten unserer Beziehung mit Gott. Wir stellen uns und unsere Begierde vor Gottes Wunsch für uns. Oder wir versuchen es, Gottes Wunsch für uns so zu verdrehen, daß er unsere Ziele und Bestrebungen begünstigt. Es geht um Eigenwillen gegen Willigkeit.

Erkennen wir, daß wir mit Christus gestorben und auferstanden sind? Erkennen wir, daß die Frage, ob der Prophetie Jeremias erfüllt wird, eine Frage unserer Willigkeit ist? Wenn wir das Leben Jesu betrachten, was ist es wirklich, was ihn von uns unterscheidet? OK, da ist die ganze „Sohn Gottes“-Sache, aber außerdem?

Es ist seine Gehorsamkeit. Diese Gehorsamkeit ergibt sich, weil Jesus seine Ziele relativ zu Gottes Zielen sieht. Es ist die Entdeckung von Freiheit in Beziehung mit Gott; Es ist das Dienen in perfekter Freiheit. Der Dienst Jesu, einschließlich seiner Selbstopferung im Leiden, ist das perfekte Beispiel von der Erfüllung der Verheißung des neuen, auf dem Herz geschriebenen Bundes. Die Entscheidung, die vor uns liegt, ist, ob wir nach bestem Können das eigene Leben auf ähnliche Art führen oder nicht.

Die Griechen wollen Jesus sehen. Sie bitten nicht um Beweise. Sie brauchen keine Apologetik. Sie wollen bloß sehen. Sie kapieren, worum es bei „Komm und sehe“ geht – es ist eine Einladung zu sein. Eine Einladung zu bleiben. Eine Einladung zur Beziehung. Letztendlich beantwortet Jesus diese Nachfrage mit den Worten, daß man, wenn man Jesus sehen will, ihn am Kreuz sterben sehen muß. Um Jesus zu sehen, muß man sehen können, daß der kreative, liebende Gott dabei ist, eine neue Schöpfung ins Leben zu rufen, ein Prozess, welcher Sterben und Auferstehen verlangt.

Jesus in den Tod nachzufolgen, ist sowohl leicht als auch schwierig. Wir all werden irgendwann sterben, insofern ist es leicht. Der Realität des Sterbens kann man nicht entkommen. Er kommt auf uns alle zu, früher oder später. Da gibt es keine tiefere Bedeutung. Es gibt keinen tiefsinnigen Punkt. Das Leben, wie man es kennt, kommt zum Ende.

Aber darin steckt auch die Schwierigkeit. Unsere Leben dürfen nicht verschwendet werden, denn durch die Taufe gehört unser Leben Gott. Oder: Unsere Leben sind nicht unsere zu verschwenden, denn Glaube heißt, hier und jetzt die Zukunft zu verkörpern, die Gott sich für die Welt vorstellt. Jesus nachzufolgen heißt, seine Art, in der Welt zu sein, zu befolgen. Jesus zu sehen heißt, den Jesus des Kreuzes zu sehen, der stirbt, um genau die Lebensart einzuführen, für die wir geschaffen worden sind.

Sterben ist leicht. Zum neuen Leben auferweckt Werden ist Gottes Aufgabe. Aus der Taufe heraus zu leben, das ist das Schwierige. Es fängt aber damit an, daß wir Jesus klar und deutlich sehen, der mit und für uns stirbt. Dort sehen wir Jesus, wie er ist und wofür er gekommen ist. Und durchs Sehen, bekommen wir den Glauben, Jesus nachzufolgen, in den Tod und in das neue Leben in Gott. AMEN

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Pastor's Blog
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