Feb. 11, 2018: Transfiguration Sunday A (Deutsche)

Sonntag der Verklärung Jesu A: Markus 9, 2-9
Zionskirche, den 11. Februar 2018
Pastor Anke Deibler

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen.

Jesus nimmt seine drei engsten Jünger, Petrus, Johannes und Jakobus, und führt sie auf einen Berg. Dort geschehen wunderbare Dinge: Jesus scheint strahlend weiss; Moses und Elia erscheinen plötzlich und verschwinden genauso plötzlich; eine Wolke überschattet den Berg und Gottes Stimme schallt aus der Wolke. Was für ein erstaunliches Erlebnis.

Man würde denken, die Stimme Gottes sagte: „Hey, Leute, schaut euch das an!“ Gott inszeniert ein Spektakel, das die Aufmerksamkeit der Jünger mit Sicherheit hält. Es ist, als ob Gott sagt: „Schaut her; ich will euch was zeigen. Seht ihr Jesus? Sehr ihr, wie göttlich er ist? Seht ihr, wie er mit dem grössten Gesetzgeber und dem grössten Propheten redet? Seht ihr all das? Ich will nicht, dass ihr das verpasst.“

Aber das ist nicht, was Gott sagt. Statt „Schaut her“ zu sagen, sagt er „Hört zu“. Nach all den besonderen Effekten, was Gott wirklich will, ist, dass die Jünger zuhören. „Das ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hören.“

Interessanter Weise spricht Jesus in dieser ganzen Episode auf dem Berg kein Wort, das die Jünger hätten hören können. Er spricht zwar mit Mose und Elia, aber keiner kann die Unterhaltung hören. Nur wenn sie alle den Berg hinabsteigen, spricht Jesus, und wir wissen seine genauen Worte nicht, sondern kriegen bloss gesagt, dass Jesu Jünger erst nach Ostern von der Verklärung erzählen sollen.

Wenn Gott daher den Jüngern sagt, sie sollen auf Jesus hören, dann muss Gott Dinge meinen, die Jesus vorher oder hinterher gesagt hat.

Dies ist, was direkt vor der Verklärung geschieht: Jesus fragt seine Nachfolger, wer sie meinen, dass er sei. Petrus bekennt Jesus als den Messias. Er hat richtig geantwortet, und alle Jünger sind begeistert.

Der Messias! Super! Alle haben auf den Messias gewartet, damit er Israels Ehre wiederherstelle. Dies wird toll werden. Und als die engsten Mitarbeiter des Messias wird ihr Leben grossartig sein. Hallelujah!

Bevor der Jubel aber überhandnimmt, beschreibt Jesus, was für eine Art Messias er ist: Er wird viel leiden und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Dann predigt Jesus von wahrer Jüngerschaft: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

Jesus sagt all dies direkt vor der Verklärung. Er spricht vom leidenden Messias und davon, dass alle Nachfolger Jesu auch ihr Kreuz tragen müssen. Die Jünger haben echte Schwierigkeiten damit. Tatsächlich scheinen sie nicht wirklich zu verstehen, was Jesus da sagt. All die Rede von Kreuz und Selbstverleugnung geht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus.

Wie Markus die Geschichte erzählt, gibt Jesus den Jüngern sechs Tage, um darüber nachzudenken. Sechs Tage! Dies ist das kürzeste Evangelium. In Markus passiert alles hopp – hopp – hopp. Jede zweite Geschichte beginnt mit „und sofort“ ging Jesus dahin oder „und sofort“ tat Jesus das. Aber jetzt lässt er sechs Tage verstreichen, bevor die Geschichte weitergeht. Sechs Tage, in denen die Jünger über das nachdenken können, was Jesus ihnen über den leidenden Messias und die Kosten der Nachfolger gesagt hat.

Man hat den Eindruck, dass diese sechs Tage ihren Zweck nicht erreicht haben.

Die Jünger sind nämlich immer nach auf Glorie aus. Dieses Erlebnis auf dem Berg ist toll, und sie wollen dortbleiben und daran festhalten und auf immer in diesem Glanz leben. Die Jünger denken auch immer noch, dass sie Jesu Rolle in ihrem Leben begrenzen können. Vor ein paar Versen bekannte Petrus Jesus als Messias. Jetzt nennt er ihn Rabbi, Lehrer. Nachdem er gesehen hat, wie Jesus Kranke heilt und auf dem Wasser geht und nun weiss strahlt und mit Moses und Elia redet, nennt er ihn Rabbi?! Im Ernst?!

Gott muss also laut und klar sprechen um durchzukommen. Gott inszeniert diesen besonderen Moment auf dem Berg mit all den besonderen Effekten, und sobald das die Aufmerksamkeit der Jünger hat, spricht er.

„Das ist mein lieber Sohn, der Gesalbte, der Erwählte.“ Hört auf, ihn Rabbi zu nennen. Wenn ihr ihn Rabbi nennt, macht ihr ihn harmlos, domestiziert, jemand, der es gut meint, aber keine echte Macht über euch hat, jemand, von dem ihr jederzeit weggehen könntet.

Nein, Jesus ist kein Rabbi. Dies ist Gottes Sohn, Gottes geliebter Sohn. Dies ist das eingeborene Wort Gottes. Dies ist das lebendige Wort vom Himmel. Dies ist Gott auf Erden. Ihr seid in der Gegenwart echter, göttlicher Macht. Könnt ihr es nicht sehen?

Dann kommt der zweite Teil von Gottes Botschaft: „Den sollt ihr hören!“ Hört ihm zu! Passt auf, was Jesus sagt. Öffnet eure Ohren und erfasst, was Jesus über Leiden und Selbstverleugnung sagt. Erfasst, was er über Sterben und Auferstehen sagt. Erfasst, was für ein Messias er ist und was für Jünger ihr sein sollt. Hört auf ihn.

Kurz nachdem sie vom Berg herunter sind, wird Jesus ihnen nochmal von Passion, Tod und Auferstehung erzählen. Und dann später noch einmal. Und trotzdem werden sie es erst nach Ostern richtig verstehen. Dann werden sie endlich komplett zuhören.

Wenn man von dieser Perspektive an die Geschichte der Verklärung herantritt, fragt sie uns zwei Fragen:

Die erste Frage ist: Wie versuchen wir, Jesus zu begrenzen oder zu domestizieren? Die Jünger tun das, indem sie ihn Rabbi nennen; ach, Jesus ist nur ein Lehrer. Womit halten wir Jesus auf Distanz? Wenn wir ihn nur Freund und Hirte nennen, achten wir nur auf das, was Jesus für uns tun kann, und verweigern Jesu Anspruch auf unser Leben. Wenn wir die Gottesdienste am Gründonnerstag und Karfreitag vermeiden und vom Hosianna des Palmsonntags direkt zum Halleluja von Ostern schreiten, dann vertuschen wir das Leiden Jesu, das uns mit unserer Schuld konfrontiert und uns aufruft, unser Leben zu ändern. Wenn wir uns dem Wohlstandsevangelium verschreiben, das lehrt, dass Jesus seine Nachfolger reich und glücklich machen will, dann machen wir Jesus zu unserem Diener und domestizieren ihn für unsere Zwecke. Was müssen wir ändern, damit Jesus uns alles sein kann, für das er gesandt wurde?

Die zweite Frage ist: Was muss Gott tun, um unsere Aufmerksamkeit zu erringen, damit wir wirklich zuhören? Für die Jünger brauchte es strahlendes Weiss, das Erscheinen und Verschwinden von Mose und Elia, und die Wolke der Gegenwart Gottes, die mit ihnen sprach. Was wird es brauchen, damit wir Gott zuhören?

Wir sprachen darüber in einer Bibelarbeit. Leider fanden wir heraus, dass es ein grosses Unglück geben muss, bevor Menschen zu Gott zurückkehren und ihm zuhören. Das letzte Mal, das Kirchen voll waren, war nach dem 11. September. Davor war es der zweite Weltkrieg. Auch auf individueller Ebene denken wir an Gott, wenn etwas Schlechtes passiert: Ein geliebter Mensch stirbt, wir werden mit einer angsteinflössenden Krankheit diagnostiziert, wir verlieren unseren Arbeitsplatz oder unser Haus oder unsere Ehe.

Wenn wir Schmerzen leiden, erinnern wir uns plötzlich an Jesu Worte von Leiden und Selbstverleugnung, von Sterben und Auferstehen. Wenn wir am Boden zerstört sind, wollen wir plötzlich Jesus Gott sein lassen, mit der ganzen Kraft Gottes, zu retten und zu heilen und zu vergeben.

Wieviel besser wäre unser Leben, wenn wir Jesus diese Art von Aufmerksamkeit immer geben? Wie kann Jesus uns dazu kriegen, ihm jetzt zuzuhören, ihn uns jetzt zu selbstverleugnenden Jüngern machen zu lassen, uns jetzt mit der Hoffnung und Kraft der Auferstehung zu segnen?

Jesus hat viele verschiedene Weisen, mit Menschen zu sprechen. Je mehr Geschichten wir davon hören, wie Jesus zu anderen spricht, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir ihn hören, wenn er uns anspricht.

Vor ein paar Jahren half ich, eine Freizeit für Mittelschüler zu organisieren, die meinten, Gott berufe sie vielleicht in den Kirchendienst. Während der Freizeit erzählten sechs Pastoren ihre Berufungsgeschichte. Sechs Geschichten, wie Jesus jemanden berief, und alle waren anders. Da ist mir aufgegangen, wie wichtig es ist, dass wir diese Geschichten mitteilen, damit wir voneinander lernen können, auf wie viele Arten Jesus uns erreichen kann.

Die Jünger hörten Gottes Stimme auf einem Berg. Ich kenne Leute, die Jesu Ruf in der Natur empfingen und dort des Schöpfers Kraft erlebten.

Ich kenne Menschen, mit denen Gott in Träumen spricht. Andere kriegen eine Offenbarung in Bibelarbeit. Andere fühlen sich direkt angesprochen durch eine Predigt im Gottesdienst. Andere hören Jesu Stimme durch die Worte oder Taten von Familienangehörigen oder Freunden oder Sonntagsschullehrern oder sogar Fremden.

Jesus ist immer noch unter uns und spricht immer noch mit uns, in der heiligen Schrift, in den Sakramenten, wo immer zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Gott ruft uns immer noch auf, auf alles zu hören, was Jesus sagt, nicht nur die glorreichen Teile und nicht nur die leidenden Teile, sondern beide Teile zusammen. Denn beide Teile zusammen offenbaren die Weite von Jesu Liebe für uns. Beide Teile zusammen zeigen Jesu Errettungskraft. Beide Teile zusammen deuten auf Jesu Mitgefühl für unser ganzes Leben, für die Freuden und die Traurigkeiten. Beide Teile zusammen verheissen, dass auf das Leiden Heilung folgt, auf die Selbstverleugnung neue Erfüllung, und auf jedes Sterben eine Auferstehung.

Die Geschichte der Verklärung fordert uns auf, Jesus in seiner Glorie zu betrachten, ohne sein Leiden zu vergessen. Sie beruft uns dazu, Jesus Gott unseres Lebens sein zu lassen und ihm nachzufolgen. Sie verheisst, wenn wir allem zuhören, was Jesus sagt, dass seine Gegenwart in unserem Leben echte Kraft haben wird und uns ins ewige Leben führt. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

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