Feb. 18, 2018: Lent 1B (Deutsch)

Lent 1B, 2018.
Genesis 9:8-17; Psalm 25:1-10; 1 Peter 3:18-22; Mark 1:9-15
Pastor Eric Deibler

Vor mehreren Jahren hatte ich die Gelegenheit, nach Israel zu reisen. Es war eine interessante Reise mit vielen interessanten Leuten. Ein radikaler methodistischer Pastor, der nicht mal 5 Fuß groß war, der sich bei jeder möglichen Gelegenheit empörte. Der pfingstlerische Pastor aus Minnesota, der auch mein Zimmerkamerad war. (Das war, um es bescheiden auszudrücken, interessant, denn er war noch konservativer als ich liberal bin.) Da war auch Larry Wick, ein ziemlich schlanker methodistischer Pastor, der einer der liebenswürdigsten Menschen ist, die ich je kenngelernt habe. Aber der interessanteste Mensch auf dieser Reise war ein Mann namens Bo, buchstabiert B-o. Er war Holländer und auch ein Methodist. Viele Methodisten auf dieser Reise.

Bo war einer dieser Menschen, die einfach eine natürliche Ausstrahlung besitzen. Jeder mochte ihn. Er konnte jeden zum Lachen bringen. Er war aber nie aufdringlich oder angeberisch.

Also war es keine Überraschung, an der Stelle, wo Jesus sich angeblich von Johannes taufen ließ (wo auch zufälligerweise ein Souvenirladen stand. Wer hätte gedacht, Jesus und Johannes hätten die Voraussicht, einen eher modernaussehenden Souvenirladen auf der Stelle zu erbauen.) Egal, es war keine Überraschung, als wir alle über dem Gemurmel der kommenden und gehenden Menschenmenge plötzlich Bos Stimme hörten. Bo stand da mit einem etwas bedenklich aussehenden jungen Mann, und sagte „Brüder und Schwestern! Dieser junge Mann hat mir sein Glaube an Jesus Christus als seinen Herrn und Erlöser bekannt. Nach meinem besten Können habe ich seinen Glauben geprüft und bin zu der Überzeugung gekommen, daß er von Herzen spricht. Gibt es irgendeinen Grund, daß dieser jungen Mann nicht getauft werden soll?“

Niemand hat Widerspruch erhoben. Einige haben sogar applaudiert. Während sie an diesem kalten Maitag am Ufer des Jordans standen, erklärte Bo, wie er dieser Taufe ausführen würde. Er packte dann diesen jungen Büßer mit einem geübten Griff, tauchte ihn langsam unter das Wasser, und hielt ihn eine Weile da. Bo hob ihn wieder auf, und der Mann prustete etwas. Er fragte den jungen Mann, ob er OK sei, und als der Mann „ja“ sagte, tauchte Bo ihn auf ähnliche Weise wieder unter Wasser, und hielt ihn da. Bis er schließlich zum dritten Mal unter Wasser getaucht wurde, hat der junge Mann ganz schön geprustet und gehustet. Bo rief dann allen zu, die in Hörweite waren „Brüder und Schwestern, dieser Mann ist im Wasser der Taufe gestorben und in Christus wiedergeboren worden. Kommt und begrüßt euren neuen Bruder in Christus“. Viele von uns sind runter am Ufer gegangen, haben uns um ihn versammelt, und ihn in der Gemeinschaft der Kirche, im Körper Christi, willkommen geheißen.

Ich will nicht vorschlagen, daß wir ein Baptisterium hier einbauen und mit Eintauchungstaufe anfangen sollen, aber dies möchte ich sagen: Es gab eine kraft in diesem Erlebnis. Und nicht nur für den jungen Mann, der an jenem Tag sein Glaubensbekenntnis machte, sondern auch für mich. Denn zum ersten Mal habe ich das richtig kapiert. Als der junge Mann prustend und keuchend nach Luft schnappte, konnte man echt verstehen „Ach so, darum geht es in der Taufe. Sie ist ein echtes Sterben im Wasser der Taufe und eine Wiedergeburt in Christus.“ Taufe ist Tod. Sie ist eine Art des Todes. Aber sie ist auch eine Auferstehung.

Das Markusevangelium ist sehr anders als die anderen synoptischen Evangelien, Matthäus und Lukas. Es gibt keine Geburtsgeschichte. Es gibt keine Darstellung Jesu im Temple. Es gibt keine Geschichte von dem frühreifen 12-jährigen Jungen, der im Temple mitten unter den Lehrern saß und ihnen zuhörte und sie befragte.

Stattdessen fängt Markus mit der Taufe Jesu an. Und die Botschaft dieser Taufe ist ganz klar. Sie ist eine radikale, neue Definition davon, wer Jesus ist. Sie ist dermaßen radikal, daß Markus praktisch damit sagt „Es ist egal, wer Jesus war oder woher er kam! Hier ist das Einzige, was man von Jesus wissen muß: Er ist der Sohn Gottes, der Geliebte; an ihm hat Gott Wohlgefallen.“ Es ist eine radikale Neudefinierung von Jesus. Dermaßen radikal sogar, daß es ist völlig egal ist, wer er vorher gewesen oder nicht gewesen sein mag. Es ist ein echter Tod und Auferstehung. Eine Neudefinierung davon, wer Jesus ist, die nicht weniger radikal ist als die Neudefinierung, die er nach Kreuzestod und Auferstehung von dem Grab erfährt.

Ich liebe die Tatsache, daß in jeder lutherischen Kirche, in der ich gedient habe, immer ein Kreuz über dem Altar gehangen ist, so wie hier auch. Es macht ganz klar, daß alles, was wir hier tun, durch das Kreuz definiert wird, einschließlich und insbesondere die Taufe. Taufe geschieht immer im Schatten des Kreuzes. Das Kreuz ist ein Ort von gewaltigem Schmerz und Leiden. Das Kreuz ist ein Ort des Todes. Bemerkt aber bitte, daß es ein leeres Kreuz ist und nicht ein Kruzifix. Also es ist nicht nur ein Symbol des Todes, sondern auch ein Symbol der Auferstehung. Unser Sterben und Auferstehen passieren immer am Fuß des Kreuzes. Es kann nirgendwo anders geschehen. Es bildet eine radikale Neudefinition davon, wer wir sind.

Bill Lane, ein ehemaliger Redakteur der Zeitschrift „Sojourners“, hat mal geschrieben: „Es gibt zwei grundlegende Motivationen dafür, radikal zu sein. Es gibt diejenigen, die radikal sind, weil sie etwas erreichen wollen. Und es gibt diejenigen, die radikal sind, weil sie glauben, etwas sei erreicht. Diese Unterschiede in Motivation sind manchmal nur theoretisch, sind aber oft auch entscheidend. Sie können den Unterschied zwischen Frustration und Treue ausmachen.“ (Zugegeben, es klingt besser auf Englisch: The difference between frustration and faithfulness.)

Licht in der Dunkelheit ist eine radikale Beschreibung der Ankunft Jesus in der Welt. Es ist so radikal, weil das Licht die Dunkelheit konfrontiert und eine Änderung des Status Quos verlangt. Die Dunkelheit wird transformiert. Wenn das strahlende Licht Jesu in die von Sünde dominierte Welt einbricht, ist das eine radikale Änderung. Weil das der Fall ist, ist es kein Wunder daß Jesus gekreuzigt wurde. Das Licht Christi verlangt eine entweder/oder-Antwort. Ich muß Euch nicht erstsagen, daß in den 20 Jahrhunderte seit Jesus auf Erden war, die Welt nicht bereitwilliger geworden ist, die Wahrheit Gottes zu akzeptieren. Jedoch sind wir dazu berufen, das Licht in einer dunklen Welt zu sein.

Wir sind sowohl dem Licht als auch der dunklen Welt untertan. Der ehrliche Mensch des Glaubens muß erkennen, daß wir von der umringenden Dunkelheit nicht befreit sind. Obwohl die radikale Veränderung, die uns in der Taufe versprochen wurde, schon angefangen hat, ist sie noch nicht vollendet. Solch eine starke andauernde Beziehung mit der umliegenden Welt zu haben, versucht uns, aufzugeben und den Status Quo zu akzeptieren. Wir leben jeden Tag Seite an Seite mit dem Bösen. Jeden Tag werden wir dazu berufen, mit dieser Spannung zu kämpfen.

In seiner Erklärung der Taufe im Kleinen Katechismus schrieb Luther:

„Was bedeutet denn solch Wassertaufen? Es bedeutet, dass der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten; und täglich wiederum herauskommen und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott ewiglich lebe. Wo steht das geschrieben? Sankt Paulus zu den Römern im sechsten Kapitel spricht: Wir sind samt Christus durch die Taufe begraben in den Tod, auf dass, gleichwie Christus ist von den Toten auferweckt durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln.

Wenn es um das Böse geht, dem wir in unserem Leben oder in der Welt begegnen, genügt es nicht, einfach zu sagen „leben und leben lassen“ oder „lass die Vergangenheit ruhen“. Jesus hat nie bereitwillig kompromittiert; Jesus hat es nie zugelassen, das Licht nach dem Willen oder den Sitten der Welt zu biegen. Wenn wir es der Welt erlauben, das Licht zu verdünnen, haben wir die Bedeutung aus der Sicht verloren, was es heißt, Kinder Gottes zu sein. Wenn wir dem Bösen in der Welt gegenüber eine „Business as usual”-Einstellung haben, dann sagen wir damit wirklich, daß das Gottesreich unerreichbar ist. Was die Auferstehung uns lehrt, ist, daß mit Gott nichts unerreichbar ist.

Wenn die Welt uns zuschaut und uns nicht als radikal bezeichnet, gibt es ein Problem. Die Verheißung Christi ist, daß das Gottesreich uns gehört. Die Verheißung zu akzeptieren, heißt auch zu akzeptieren, daß solch eine Verheißung die Kraft hat, unser Leben zu bestimmen. Die Verheißung der Gnade ermächtigt uns dazu, heute gnädig zu sein. Die Verheißung der Gerechtigkeit ermächtigt uns, heute nach Gerechtigkeit zu streben. Die Verheißung der Erlösung ermächtigt uns dazu, heute der erlösende Körper Christi in der Welt zu sein. Die Verheißung der Liebe Gottes befreit uns, unsere Nächsten zu lieben, wie wir uns selber lieben. Die Verheißung des Erbarmens Christi befreit uns barmherzig zu sein. Wie der Jakobibrief es kurz und bündig ausdrückt: „Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.“

Wir dürfen nicht ein Leben der Selbstgefälligkeit mit unserem Glauben entschuldigen. Glaube ist in jeder Hinsicht die Basis unseres Lebens. Wenn wir unsere Waffen vor unserem Feind niederlegen, sagen wir damit: „Ich traue Gott.“ Wenn wir die Sicherheit von Morgen weggeben, um jemandes Bedürfnisse heute zu erfüllen, sagen wir damit: „Gott ist meine Sicherheit.“ Gott ruft uns zu dieser Art des Trauens: Einfach, Unerschütterlich.

In Bezug auf die Welt ist das Gottesreich grenzenlos radikal. Und das Radikalste daran ist, daß wir nicht um seinetwillen danach streben. Wir streben nach Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit, Gnade, und Friede, weil sie das Licht des Gottesreiches auf die Welt wiederspiegeln. Gott und Gott alleine zieht uns zur Verantwortung. Und darin entdecken wir unsere Freiheit. Denn das heißt, wenn die Welt uns mit ihren Nöten tief berührt, daß es keine Verurteilung gibt, die sie uns aufdrängen könnte, keine Leistungsbewertung. Wir sind befreit, mit der radikalen Liebe Christi zu antworten. AMEN

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Pastor's Blog
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