Feb. 25, 208: Lent 2B (Deutsche)

2. Sonntag der Passionszeit B: Römerbrief 4,13-25 und Markus 8:31-38
Zionskirche, den 25. Februar 2018
Pastor Anke Deibler

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen.

Yogi Berra hat einmal gesagt: „Wenn du zu einer Weggabelung kommst, nimm sie.“ Die Jünger sind heute an einer Weggabelung. Welche Art Messias wollen sie haben? Was für Jünger werden sie sein? Zwei Möglichkeiten liegen vor ihnen.

Möglichkeit eins ist ein glorreicher, starker Messias, der sein Volk befreit. Direkt vor unserer Lesung heute hören wir, wie Petrus der erste Mensch ist, der Jesus als Messias bekennt. Alle sind begeistert, denn der Titel „Messias“ verursacht Visionen von einem mächtigen Führer, der seine Nation vereint, die römische Besatzung rausschmeisst und ein strahlendes neues Israel wie unter König David errichtet.

Die zweite Möglichkeit wird von Jesus in unserer Lesung vorgestellt: Der Menschensohn muss leiden und verworfen werden und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Dies ist eine ganz andere Art von Messias; ein leidender, dienender, demütiger Messias. Diese Art war in der Bibel nicht unbekannt, aber war von den Zeitgenossen Jesu übersehen und vernachlässigt worden. Die Zeiten waren schwer; man wollte nicht den leidenden, sondern den starken Messias.

Eine Weggabelung. Zwei Versionen von Messias liegen vor den Jüngern. Welche werden sie wählen?

Ihre Entscheidung wird wichtige Auswirkungen auf ihr Leben haben, denn die beiden Arten von Messias verlangen sehr verschiedene Arten von Jüngern. Der starke Führer der Nation braucht gehorsame Soldaten, die nach dem Sieg belohnt werden, zum Beispiel mit einem gemütlichen Job.

Der leidende Messias ruft seine Jünger auf, ihr Kreuz aufzunehmen und ihm nachzufolgen, für das Evangelium zu sterben bereit zu sein, ihr Leben lang Diener zu sein, und all das ohne viel irdische Belohnung. Was Jesus verspricht, ist, dass sie ihr Leben erhalten und ihre Seele gewinnen.

Welche Wahl werden die Jünger treffen?

Paulus schreibt von Abraham und Sarah; sie sind an einer ähnlichen Weggabelung. Gott bietet ihnen einen Bund an. Gott wird ihr Gott sein und sie werden Gottes Kinder sein. Sie werden zu einem Volk werden. Sie werden anderen Nationen ein Segen sein. Sie werden ein Land haben und die Vorfahren einer heiligen Nation sein. Dies ist ein riesiges Angebot. Was werden Abraham und Sarah damit machen?

Sie könnten sich entscheiden, dort zu bleiben, wo sie sind, in ihrem gewohnten Leben. Sie wissen, dass dies schwer werden wird; Reisen in der Wüste ist hart und gefährlich. Sie wissen auch, dass sie alt sind und die Chancen auf Kinder in ihrem Alter sehr gering. Sie könnten sagen: „Danke, Gott, aber wir mögen unser Leben hier, und wir werden alt, und unsere Reiselust ist uns vergangen. Danke, aber nein danke.“

Oder sie könnten Gott und den Bundesverheissungen trauen und auf der Basis dieser Verheissungen in eine unbekannte Zukunft losziehen. Sie könnten ihr Vertrauen an Gott ihre Angst überkommen lassen und loswandern.

Dies ist, was sie machen. Sie glauben und sie vertrauen und sie gehen los. Aufrechterhalten von den Verheissungen Gottes gehen sie los in eine Zukunft mit Gott. Sie wissen nicht, wie die Reise aussehen wird, aber sie wissen, dass Gott sie plant, und dass Gott mit ihnen geht, und dass Gott sie und andere am Weg entlang segnen wird. Unterstützt von nichts ausser dem Vertrauen in Gottes Versprechen, machen sie sich auf den Weg.

Dies ist der Glaube, den Paulus in unserer Epistellesung betont. Er stellt ihm den Glauben gegenüber, der vom Gesetz bestimmt wird. Paulus schreibt: Wenn man seine Beziehung mit Gott auf dem Gesetz aufbaut, dann kriegt man am Ende Zorn, denn das Gesetz führt zu einer quid pro quo Einstellung: Wenn ich dies für Gott tue, dann wird Gott das für mich tun. Da ist keine Liebe drin; es ist eine Geschäftsbeziehung.

Das Problem mit diesem Glauben kommt zum Vorschein, wenn etwas schiefgeht. Wenn man zum Beispiel alle erforderten Opfer bringt, aber das Kind dennoch krank wird und stirbt – wo führt einen das hin? Es führt zu Wut und Verzweiflung und einer Glaubenskrise; es führt, in Paulus‘ Worten, zum Zorn.

Abraham und Sarah hatten eine andere Beziehung mit Gott. Sie war nicht auf Gesetz basiert, sondern auf Liebe und Glaube und Verheissungen. Gott versprach, Abraham und Sarah zu segnen. Sie mussten nichts tun, als das Angebot akzeptieren und losziehen.

Es gab hier keine Garantien. Es gab keine Regeln oder legale Klausen, auf die man hätte zurückfallen können, wenn alles danebenging. Das einzige, was sie unterstützt und leitet und stärkt, ist ihr Glaube an Gottes Verheissungen.

Heute stehen die Jünger an der Weggabelung und sind verwirrt und ängstlich. Aber nach Ostern werden sie die Art von Glauben entwickeln, von der Paulus schreibt und die Abraham und Sarah vorleben. Nach Ostern wissen sie genau, welchem Messias sie folgen wollen und was für eine Nachfolge sie leben sollen. Denn am Ostermorgen sehen sie Gottes Verheissungen erfüllt. Sie sehen den Menschensohn leiden und sterben und nach drei Tagen auferstehen. Von dieser Erfahrung erhalten sie den Glauben, der sie ihr Kreuz aufnehmen und sich selbst verleugnen und Jesus nachfolgen lässt.

Sie gehen den Weg der Jüngerschaft auf dem Fundament von Christi Verheissungen: Die Verheissung, dass Jesus der Weg zum Vater ist; die Verheissung, dass ewiges Leben auf sie wartet; die Verheissung, dass Jesus bei ihnen sein wird, bis an das Ende der Welt; die Verheissung, dass sie durch das Tragen ihres Kreuzes erfülltes Leben finden und ihre Seele gewinnen werden.

Die Passionszeit platziert uns an eine Weggabelung. Was glauben wir? Was für Jünger beruft Jesus uns zu sein? Was müssen wir verleugnen und in unserem Leben sterben lassen, damit wir unser Kreuz treu tragen und unsere Seele gewinnen können?

Und unter all diesen Fragen ist die Grundfrage: Vertrauen wir den Verheissungen? Wagen wir, unseren Weg der Jüngerschaft zu gehen, von nichts als den Versprechen unseres Heilands getragen?

Insgesamt ist es mit Vertrauen in Versprechen heutzutage nicht so doll. Wir sind misstrauisch geworden. Wir wollen Garantien. Wir wollen bindende Verträge und Rechtsklausen, die alle möglichen Eventualien voraussehen. Nur auf Versprechen hin zu leben, ist schwer.

Aber in Hinsicht auf unseren Glaubensweg ist das, was wir haben: Versprechen.

Am Tag unserer Taufe kam Gott zu uns, wir er zu Abraham und Sarah kam. Aus blauem Himmel, ohne dass wir es erarbeitet oder verdient hätten, kommt Gott zu uns und verspricht, auf immer und ewig unser Gott zu sein. Gott lädt uns auf eine Bundesreise ein, verspricht Segnungen am Weg entlang und die Gegenwart Gottes an jedem Tag, bis wir am Ziel ankommen.

Auf dem Fundament dieser Versprechen leben wir. Und wirklich, was gibt es sonst, das uns in den Herausforderungen dieses Lebens Halt geben könnte?

Wenn wir krank sind und in Körper und Seele leiden, ist es Gottes Verheissung von äusserster Heilung, die uns Hoffnung gibt.

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, vor allem, wenn es ein Kind oder Teenager ist, dann finden wir Trost in Gottes Verheissung, dass die Verstorbenen jetzt in Gottes Reich zu Hause sind.

Wenn die Wirtschaft den Bach runter geht und wir so viel verlieren, wofür wir schwer gearbeitet haben, und wir uns um die Zukunft Sorgen machen, dann ist es Gottes Versprechen, uns im finsteren Tal zur Seite zu stehen, das uns Kraft gibt.

Wenn Menschen uns verraten und im Stich lassen, dann halten wir an Gottes Versprechen fest, uns bis ans Ende der Welt treu zu sein.

Und am Ende, wenn wir unserem Tod gegenüberstehen, dann ist das einzige, was uns beruhigen und uns Frieden geben kann, die Verheissung, dass Jesus auf uns warten und uns bei der Hand nehmen und in den Raum bringen wird, den er für uns in Gottes Reich vorbereitet hat.

Verheissungen. Der Weg unseres ganzen Lebens ist auf Verheissungen basiert. Gott liebt uns und verspricht uns Gnade, Unterstützung, Vergebung, Gemeinschaft, Erlösung und ewiges Leben. Das ist das Fundament, auf dem wir stehen.

Die Passionszeit fragt uns, diese Verheissungen zu bedenken. Sie fordert uns auf, an der Weggabelung zu stehen und zu entscheiden, welche Art von Messias wir nachfolgen wollen.

Wollen wir den glorreichen starken Messias, der unsere Kriege führt und eine Welt mit Siegern und Verlierern schafft? Oder wollen wir den Gottesknecht, der alle Menschen liebt und heilt und erlöst?

Wollen wir den politischen Helden, der seine Rolle erfüllt, bis er stirbt? Oder wollen wir den Friedefürst, der immer bei uns sein wird, bis ans Ende der Welt?

Wollen wir für kurzfristige Belohnungen leben? Oder wollen wir auf die Segnungen hinleben, die uns verheissen sind, aber ohne Zeitplan?

Wollen wir die Welt gewinnen und unsere Seele verlieren? Oder wollen wir unser Kreuz aufnehmen und uns selbst verleugnen und unsere Seele gewinnen?

Wir stehen an der Gabelung. Amen.

Und der Segen Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.

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