Jan. 14, 2018: Epiphany 2B (Deutsch)

Epiphanias 2B; 1. Korintherbrief 6, 12-20 und Johannes 1, 43-51

Zionskirche, den 14. Januar 2018

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen.

„Live free or die! Lebe frei oder sterbe!”. Das ist das Motto des Staates New Hampshire. Diese Nation liebt ihre Freiheit: Freiheit von Regeln; Freiheit von der Einmischung der Regierung; Freiheit zu wählen, ob man Krankenversicherung haben will oder nicht; Freiheit der Rede, sogar für Firmen, die jetzt als Personen gelten; Freiheit, Waffen zu tragen; Freiheit aller Arten. Lebe frei oder sterbe!

Die Gemeinde in Korinth, an die Paul schreibt, würde damit voll übereinstimmen. Sie pochten auf ihre Freiheit. In Christus waren sie freigesetzt worden, und nun konnten sie machen, was sie wollten. Sie waren erlöst. Die Gesetze des Alten Testamentes galten nicht mehr. Also legten sie los, lebten in Freiheit, Halleluja!

Und wohin führte all diese Freiheit die Gemeinde? Wenn man Paulus‘ ganzen Brief liest, entdeckt man, wohin diese Freiheit führte. Paul musste diesen und noch einen zweiten Brief schreiben, um lauter Probleme in der Kirche anzusprechen, zum Beispiel: Fraktionen, die sich gegenseitig als ‚töricht‘ und ‚glaubensschwach‘ bezeichnen; Faktionen, die sich darüber stritten, wer der beste Pastor gewesen war; Kirchenmitglieder, die sich gegenseitig vor Gericht verklagten; Streit über Sexualmoral; Alleinstehende und Ehepaare, die je ihren eigenen Stand als heiliger betrachten; Argumente über akzeptable Scheidungsursachen; Streit um Diätregeln; Streit um die wahre Bedeutung der Auferstehung; und so weiter und so fort.

Wohin also führte all ihre Freiheit die Christen in Korinth? Ins Chaos.

„Alles ist mir erlaubt,“ zitiert Paulus ihren Slogan. Alles ist mir erlaubt. Ich kann machen, was ich will, denn in Christus bin ich frei.

Was die Gemeindemitglieder allerdings erfahren, ist, dass man Freiheit zu weit tragen kann, so weit, dass es einem schadet.

Wir haben einen freien Willen. Wir können wählen, gereizt, muffelig und beleidigend zu sein. Wir haben diese Freiheit. Aber wir werden bald merken, dass das Ausleben dieser Freiheit uns einsam werden lässt, denn andere Menschen haben die Freiheit, uns zu vermeiden.

Paulus erwähnt die Freiheit, zu essen, was man will. Ja, wir haben diese Freiheit. Im christlichen Glauben gibt es keine Diätregeln mehr, keinen Zwang, koscher zu sein. Wir können alles in Sichtweite essen. Als Nation haben wir genau das getan. All diese Freiheit hat unsere Nation auf 38% Fettleibigkeit unter Erwachsenen gebracht. Dieses Übergewicht hat zu vermehrten Gesundheitsproblemen und -kosten geführt, zu Produktions- und Gehaltverlust, zu Problemen mit Selbstwertgefühlen und Depression, und vieles mehr. Unsere Freiheit, zu essen, was wir wollen, hat uns und unsere Nation viel Schmerz verursacht.

Paulus spricht auch die Sexualfreiheit an. Seit der Sexualrevolution in den 60er Jahren geht es zügellos zu. Leute treffen sich und gehen sofort miteinander ins Bett. Die sexuelle Freiheit in diesem Land ist grenzenlos. Aber sie hat ihren Preis, und wir lernen allmählich, wie hoch dieser Preis ist: Sexualkrankheiten, Schwierigkeiten, treue Partner zu finden, hohe Scheidungsraten und insgesamt eine Abwertung von Gottes guter Gabe der Sexualität.

Kann es zu viel Freiheit geben? Diese Beispiele scheinen darauf hinzudeuten.

Lebe frei oder sterbe? Alles ist mir erlaubt? Christus hat mich befreit, also kann ich machen, was ich will? Es scheint, dass diese extreme Freiheit ihre Kosten hat, Kosten, die uns und unseren Mitmenschen schaden.

Die Gemeinde in Korinth geht kaputt, weil die Leute dort ihre Freiheit zu weit tragen, sie als Freibrief für alles sehen, was sie machen oder sagen wollen. Wie versucht Paulus, sie wieder unter einen Hut zu bringen?

Als erstes stimmt er mit den Korinthern überein: Ja, in Christus sind wir frei. Das ist das Herz des Evangeliums. Wir Christen sind frei. Allerdings, schreibt Paulus heute, ist nicht alles, was diese Freiheit uns erlaubt, gut für uns. In den zuvor genannten Beispielen haben wir die Freiheit, rüde zu sein, alles zu essen und herumzuschlafen, aber diese Freiheiten auszunutzen, wird uns nicht den ersehnten Frieden und Erfüllung bringen.

Paulus schreibt, dass unsere Freiheit in Christus ein Balanceakt ist. Wir müssen lernen, in all unserer Freiheit auf treue, erfüllende Weise zu leben. Die Richtlinie, die Paulus den Korinthern für diese Balance gibt ist: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.“

Christus hat unsere Freiheit erkauft. Jetzt sind wir frei: frei von Sünde und Tod, frei von Diätregeln, frei vom Gesetz als Weg, Erlösung zu erarbeiten, frei von Angst vor einem Rachegott.

Als Christus aber unsere Freiheit erkaufte, hat er uns auch für etwas befreit: Wir sind frei, zu dienen und Gottesdienst zu feiern und Gott mit unserem Leben zu ehren.

Anders gesagt, wir sind nicht freigesetzt, um zu tun, was wir wollen, sondern um zu tun, was Gott will.

Mehr als alles andere will Gott, dass wir in Gemeinschaft leben, in harmonischen Beziehungen zu Gott und unseren Brüdern und Schwestern in Christus. Diese Beziehungen sollen uns trösten, stärken und leiten, auf dass wir allen Kinder Gottes dienen und uns um Gottes Schöpfung kümmern.

Paulus betont, dass unser Leben in Christus beginnt; wir wurden teuer erkauft. Wir leben nicht uns selbst, sondern für Gottes Ziele.

Dies ist wahr für uns als Individuen. Jede und jeder von uns ist von Christus befreit worden. In der Taufe hat Gott uns berufen und uns den heiligen Geist geschenkt und uns in sein Reich gebracht, wo wir in der Freiheit des Evangeliums leben können

Es ist auch wahr von uns als Gemeinde. Paulus schreibt: „Ihr seid ein Tempel des heiligen Geistes; ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leib.“ Alles ist im Plural. Ihr als Kirche, ihr als Ortsgemeinde, ihr als Gottesvolk um Wort und Sakrament versammelt, ihr alle zusammen wurdet teuer erkauft, und ihr alle zusammen sollt Gott mit eurem Leib preisen, im Leben und Seelsorge dieser Gemeinde.

In der Freiheit Christi leben, heisst, dass es nicht um mein Leben geht oder meine Kirche oder meine Meinung oder meine Interpretation der Schrift oder meine Ehre. In der Freiheit Christi geht es stattdessen darum, dass wir befreit sind, um Gott ohne Furcht zu dienen, um den Nächsten zu lieben, um die Dinge abzulehnen, die uns oder der Welt schaden, um ins Reich Gottes einzutauchen und darin meine Hoffnung und meinen Frieden und meine Freude zu finden.

Am letzten Mittwoch unterrichtete ich die Konfirmanden in Calvary, meiner anderen Kirche. Wir sprachen über genau diesen Balanceakt, den Paulus in seinem Brief beschreibt. Unser Thema war Gesetz und Evangelium. Das Gesetz gibt uns Richtlinien und lässt uns fragen: Was ist erlaubt und womit kann ich durchkom-men? Das Evangelium lässt uns fragen: Wozu beruft mich meine Liebe zu Gott und meinem Nächsten?

Einer der Jugendlichen brachte einen Fall vor dem obersten Gericht von Virginia auf. Ein Herr Turner hatte eine Menschenpuppe mit schwarzem Gesicht in einem Baum in seinem Vorgarten erhängt. Wir besprachen diesen Fall. Das Gesetz mag wohl sagen, dass Herr Turner das Recht hatte, so etwas zu tun; das erste Ammendment macht das womöglich legal.

Aber was sagt das Evangelium? Drückt es meine Liebe zu Gott und meinem Nächten aus, so etwas Schmerzliches und Rassistisches zur Schau zu stellen? Auf keinen Fall! In den Augen des staatlichen Gesetzes mag es legal sein, aber als Christen sind wir berufen, niemals so etwas zu tun, nie unsere Freiheit in so einer Art auszunutzen, die unseren Nächsten schmerzt.

Am nächsten Tag machte Präsident Trump dann seine umstrittenen Bemer-kungen über El Salvador, Haiti und afrikanische Nationen. Die gleiche Wahrheit gilt auch hier. Hat Präsident Trump das Recht, so etwas Abfälliges zu sagen? Unter dem ersten Ammendment, wahrscheinlich ja.

Das Gebot der Liebe im Evangelium aber würde uns nie so etwas machen lassen. Wenn wir Gott lieben, der alle Menschen geschaffen hat, und unseren Nächsten in aller Welt lieben, dann sagen wir niemals etwas, was andere verletzt, niederputzt, beschämt oder beleidigt.

Das Weisse Haus hat genau das erlebt, was die Gemeinde in Korinth erlebte, als sie ihre Freiheit ausnutzte und zu weit ging: Chaos, Verletzung, Fraktionen, Aggressivität, Unmut, und Leute, die bereit sind, das Gespräch zu verlassen. Wann immer wir uns benehmen, als ob es sich nur um uns dreht, und nur fragen, was legal ist und womit wir durchkommen können, dann ist diese Art von Schlamassel das Ergebnis.

Lasst uns Botschafter des Gebotes der Liebe sein. Lasst uns Paulus‘ Rat folgen und in unseren Taten und Worten und Begegnungen mit anderen Menschen Gott die Ehre geben. Nicht nur wird unser Leben dann besser sein, sondern wir werden auch Heilung in unsere Gemeinde, unsere Nachbarschaften und unsere Welt bringen. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.

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Pastor's Blog
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