Jan. 28, 2018: Epiphany 4B (Deutsch)

4. Sonntag nach Epiphanias: Markus 1, 21-28 und 1. Corintherbrief 8, 1-13
Zionskirche, den 28. Januar 2018
Pastor Anke Deibler

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen.

Jesus lehrt in der Synagoge von Kapernaum, und die Leute wundern sich, denn er lehrte mit Vollmacht und nicht wie die Schriftgelehrten. Hier ist jemand mit echter Vollmacht und Autorität.

Das Volk Israel hatte ein paar schwere Jahrhunderte erlebt. Erst hatten die Griechen das Land besetzt, dann kam die Revolte der Makkabäer, und schliesslich zogen die Römer ein und besetzen das Heilige Land. Generationen von Krieg hatten das Land und die Leute erschöpft.

Die Römer installierten Herodes als König von Israel, ein Scheinkönig, den niemand mochte oder respektierte, der sich eher bei den Römern einschmeichelte, als sich um sein eigenes Volk zu kümmern, und der Riesensummen für Verteidi-gungsanlagen und Paläste ausgab.

Die religiösen Leiter waren immer korrupter und machtgieriger geworden und vergassen ihre Berufung, die Gläubigen zu inspirieren und zu führen. Zur Zeit Jesu gab es zwei Hohepriester, unter dem Gesetz unmöglich, aber einer war der Schwiegervater des anderen; was kann man tun?

Das Volk sehnte sich nach jemandem, zu dem sie aufschauen konnten, der ein echter Führer sein konnte, dem sie vertrauen konnten, der authentische Voll-macht hatte, und der keine Privatagenda hatte. Sie gedachten des Versprechens, dass Gott einen neuen Moses senden werde, der eine persönliche Beziehung zu Gott habe, der ihr Fürsprecher vor Gott sei, der die Nation zu erneutem Eifer für Gott und Glaube und Bund errege.

Wie gut wir diese Sehnsucht verstehen können, nicht wahr? Wie herrlich wäre es, mit einem Führer gesegnet zu sein, den wir respektieren und dessen Führung wir vertrauen können. Wenn es doch bloss jemanden ohne persönliche Agenda gäbe, aber mit einer wunderbaren Vision davon, wie das Leben nach Gottes Willen sein kann und soll, eine Vision, in die wir uns einreihen wollen.

Wahrheit, Vollmacht und Autorität sind seit einigen Jahrzehnten in diesem Land unter Angriff. In diesem Alter von weltweiten Netzwerken begegnen wir viel mehr Ideen, Konzepten, Religionen und Traditionen, so dass es schwer ist, eine allgemeingültige Wahrheit zu finden.

In den 70er Jahren nach Watergate stellten wir alle Autorität in Frage, von Politikern, Lehrern und Eltern. Alle wollten frei sein; keiner konnte ihnen sagen, was sie denken oder tun sollten. Jetzt erleben wir das Ergebnis dieser Freiheit: eine Generation mit wenig Respekt für Älteste, Polizeibeamte, Lehrer, Politiker oder Pastoren. Freddy hat uns gerade eine Umfrage geschickt, die nach Vertrauen der Bevölkerung in verschiedene Berufsgruppen fragte. Pastoren sind bei 41% Ver-trauen, hinter Automechanikern.

Ohne jegliche Autorität in unserem Leben sind wir verloren. Etwas oder jemand muss uns helfen, Recht von Unrecht zu unterscheiden. Wir suchen nach solchen Leuten. Wir schaffen uns Helden, erheben sie auf Sockel, geben ihnen Macht über unser Leben, und erwarten, dass sie unsere Erwartungen erfüllen. Leider werden wir immer wieder von den Menschen enttäuscht, von denen wir dachten, dass wir sie ehren und ihnen folgen konnten.

Daher schliessen wir uns Israels Gebet an: „O Gott, sende uns einen wahren und treuen Führer; sende uns einen neuen Moses; sende uns jemanden mit echter Vollmacht, der nichts als unsere Erlösung und unser Wohlergehen im Herzen hat.“

Im heutigen Evangelium offenbart sich Jesus als derjenige mit Vollmacht. Dies ist früh in Jesu Arbeit; vielleicht ist dies sein erstes Auftreten in Kapernaum. Sofort bemerket die Gemeinde einen Unterschied zwischen Jesus und den Schrift-gelehrten. Sie erkennen, dass Jesus mit Vollmacht lehrt.

Markus erzählt uns nicht, was genau Jesus hier lehrt und was anders war als das Lehren der Schriftgelehrten; also müssen wir eigene Schlussfolgerungen ziehen.

Die Schriftgelehrten waren sehr ernsthafte, gebildete Männer, die ihre Zeit damit verbrachten, die Heilige Schrift zu kopieren, zu studieren und auszulegen. Sie waren Teil der religiösen Elite und basierten ihre Autorität auf ihrer Kenntnis der Bibel, in etwa: „Glaube mir, denn so steht es in der Schrift.“

Wenn Jesus lehrt, basiert seine Autorität darauf, dass er der Sohn Gottes ist, in etwa: „Glaube mir, denn ich kenne den Vater und der Vater kennt mich.“ Jesu Vollmacht ruht in ihm selbst und ist nicht von anderswo geborgt, und die Gemein-de erkennt den Unterschied.

Jemand anders erkennt den Unterschied auch und mag ihn gar nicht: die unreinen Geister. Sie sind in dem kranken Mann gegenwärtig. Damals wurde alle Krankheit als Resultat vom Bösen oder unreinen Geistern gesehen, die eine Person besassen. Die Geister in diesem Mann erkennen Jesus und seine Vollmacht sofort. Sie spüren, dass in Jesus Gott mit all seiner Macht gegenwärtig ist, inklusive die Macht über das Böse. Sie treffen hier auf eine Autorität höher als ihre eigene. Wenn Jesus sie bedroht, müssen sie fliehen, und der kranke Mann ist geheilt.

Dieser Beweis von Jesu Vollmacht und Autorität über unreine Geister beeindruckt die Leute. Jesus lehrt mit Vollmacht, und dann handelt er mit Voll-macht. Jesus predigt vom Gottesreich, und dann heilt er einen Mann und lässt ihn den Segen des Gottesreiches erleben. Wort und Tat stimmen bei Jesus überein. Sowohl Worte als auch Taten sind voller Autorität von Gott und offenbaren eine enge Beziehung mit Gott. Jesus ist der neue Moses, den Gott versprochen hatte. Jesus ist der neue Führer, der die Menschen Gottes Willen lehren, für sie für-sprechen, und ihren Bund mit Gott erneuern kann.

Jesus ist die Autoritätsperson, auf die wir immer hochblicken können. Er wird uns nie mit selbstsüchtigem Benehmen, rassistischen Bemerkungen, unmo-ralischen Taten, versteckten Motivationen und so weiter enttäuschen. Jesus ist Gottes Sohn, der unser Leben leiten will, der uns in dieser chaotischen Welt voller widerstreitender Nachrichten, Ideen und bösen Geistern Richtlinien geben will.

In unserer Taufe wurden wir zu Gottes Kindern und unser Leben wurde unter die Vollmacht Jesu gestellt. Wenn wir uns dieser Vollmacht beugen und Jesu Beispiel folgen, wird er uns helfen, Recht und Unrecht zu unterscheiden; wird er uns lehren, wie wir handeln sollen; wird er unsere Leben friedlicher machen und mit Glaube, Hoffnung und Liebe füllen.

In seinem Brief an die Korinther gibt Paulus uns ein konkretes Beispiel dafür, wie es aussieht, wenn wir Jesu Vollmacht unser Leben bestimmen lassen. Die Gemeinde hat wieder einmal ein Problem. Diesmal geht es um Fleisch, das Götzen geopfert worden war.

In Korinth, wie überall im Reich, gab es jede Menge Temple für alle mög-lichen Götter. Dort wurden Opfer gebracht, unter anderem Tiere, die auf dem Götzenaltar geschlachtet wurden. Ein Teil des Fleisches wurde für die Götzen verbrannt; der Rest wurde verkauft.

Das warf die Frage auf, ob Christen dieses Götzenfleisch essen durften oder nicht. Eine Seite argumentierte mit dem Wissen, dass Christen frei sind, alles zu essen, und dass es gar keine Götzen gibt, so dass es egal sei, wo das Fleisch her-stammte. Die andere Seite hatte offensichtlich Sorgen um dieses Fleisch.

Es war ein grosser Streit. Führung und Autorität waren nötig, um die Ge-meinde wieder zu harmonisieren und befrieden.

Paulus gibt zu, dass Götzen nicht existieren und dass es egal ist, was wir essen. Was aber nicht egal ist, ist, dass Christus für alle Gläubigen gestorben ist, für Starke und Schwache im Glauben. Als Leib Christi sind alle Christen berufen, einander im Glauben zu stärken. Wenn einige Mitglieder einen schwachen Glau-ben haben und eine Glaubenskrise erleben, wenn sie andere das Götzenfleisch essen sehen, dann sollten diese anderen das nicht tun.

Christus liebt alle Menschen und starb für alle Menschen und gab uns das Gebot, einander zu lieben. Die Vollmacht Christi, die unser Leben lenkt, sagt uns, dass wir einander lieben sollen. Aus dieser Liebe heraus tun wir manchmal Dinge nicht, einfach weil sie Mitchristen Leid oder Stress zufügen. Wenn Christus‘ Auto-rität unser Leben lenkt, dann lenkt nicht Wissen, sondern Liebe unsere Worte und Taten.

Eine schöne moderne Analogie dafür ist der Film „Groundhog Day“. Der Hauptcharakter ist Phil Connors, ein grummeliger, selbstsüchtiger Nachrichten-sprecher. Er wird nach Punxsutawney geschickt, um über Groundhog Day zu berichten. Natürlich hasst er diesen Job und macht allen das Leben schwer. Dann kommt ein Schneesturm und sein Team bleibt in Punxsutawney stecken.

Etwas Seltsames geschieht: Phil wacht am nächsten Morgen auf, und es ist wieder Groundhog Day. Er muss denselben Tag immer wieder durchleben. Im Ra-dio spielt das gleiche Lied. Phil trifft die gleichen Menschen, die immer das Glei-che tun und sagen. Der genau gleiche Tag wiederholt sich, und er ist das einzige, der das weiss.

Dies gibt ihm besonderes Wissen. Was macht er mit dem Wissen?

Zuerst nutzt er es für sich selber aus: Er verführt eine Frau, stiehlt Geld von einem Geldtransporter und isst ein riesiges, total ungesundes Frühstück.

Dann wird Phil von seinem Wissen deprimiert. Er verliert alle Hoffnung und versucht, sich auf alle möglichen Arten das Leben zu nehmen. Aber jedes Mal wacht er wieder auf, und es ist wieder Groundhog Day.

Schliesslich fängt Phil an, sein Wissen für gute Taten einzusetzen. Er weiss, wann der Junge aus dem Baum fallen wird, und ist da, um ihn aufzufangen. Er weiss, wann die vier alten Damen eine Reifenpanne haben werden, und hilft ihnen. Er weiss, wann der Obdachlose an Hunger und Kälte sterben wird, und ist da, um ihm mit Suppe am Leben zu erhalten.

Endlich lässt Phil die Liebe sein Leben regieren. Das Ergebnis ist, dass er selber viel fröhlicher ist, dass er viel Gutes tut, dass er eine liebende Beziehung mit einer Frau beginnt, und dass er endlich zu einem neuen, gesegneten Morgen auf-wachen kann.

Lass Christi Vollmacht unser Leben regieren. Lasst uns unsere Worte und Taten unter die Autorität von Jesu Liebe stellen, so dass wir selbst glücklicher sind, so dass wir viel Gutes tun, so dass wir Liebe erfahren, und so dass wir nach dem Tod zu einem neuen, gesegneten, wunderbaren Morgen in Gottes Reich erwachen. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre euere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Scope: 
Pastor's Blog
File Type: 
Sermon Text