July 8, 2018: Proper 9B (Deutsche)

Ezekiel 2:1-5; Psalm 123; 2 Corinthians 12:2-10; Mark 6:1-13
July 8, 2018
Pastor Eric Deibler

Ich habe im Jahr 1970 mit der Grundschule angefangen. Meine Lehrerin hieß Naomi Hartman. Es war eine kleine Schule am Rande eines kleinen Dorfes, was heißt, daß alles etwas idyllisch war; eben klein-dörflich.

Es ist bemerkenswert, wieviel davon mir noch fest im Gedächtnis steht, wie z.B. die Zeugnisse, die wir bekommen haben. Ich kann genau sehen, wie sie aussahen. Hell-grün mit schwarzer Schrift; die Stelle hinten drauf, wo die Eltern unterschreiben mussten, um nachzuweisen, daß sie es tatsächlich vor den Augen gehabt haben. Ich sehe noch die Reihe von Nummern, die bestimmten persönlichen Eigenschaften entsprochen haben. Ich weiß nicht mehr, wofür jede Nummer stand, aber eine hieß „Persönliche Hygiene“, es gab eine für „Schafft Arbeit rechtzeitig“, und natürlich „Spielt nett mit anderen“.

Die Lesung von Markus für heute ist interessant und, ehrlich gesagt, etwas merkwürdig. Sie besteht aus zwei Einheiten: es gibt die Geschichte von Jesus und seinem Besuch in der Heimatstadt Nazareth, und es gibt die Geschichte von den Jüngern, die zu zweit von Jesus ausgesendet werden. Die zwei Geschichten zeigen uns zwei verschiedene Arten, auf dem man auf die Einladung zu Gottes Gnade reagieren kann.

Auf der einen Seite gibt es die Reaktion der Leute von Nazareth. Interessant ist es zu sehen, wie die Geschichte manchmal übersetzt wird, denn es steht am Ende vom zweiten Vers „Und viele, die zuhörten, verwunderten sich…“ Das Wort „verwundert“ ist verblüffend, denn es haut nicht ganz hin als Übersetzung. Es kommuniziert nicht die unterliegende Emotion. Mit dem Wort „verwundert“ denken wir eben an „Verwunderung“ oder „Erstaunen“. Das Original heißt aber eher „empört“ oder „erzürnt“.

Es gibt eine moderne englischsprachige Ausgabe der Bibel, die „The Message“ heißt, übersetzt von Eugene Peterson, und ich mag besonders gerne wie er die nächsten paar Zeilen übersetzt: “But in the next breath they were cutting him down: “he’s just a carpenter – Mary’s boy. We’ve known him since he was a kid. We know his brothers, James, Justice, Jude, and Simon, and his sisters. Who does he think he is?” They tripped over what little they knew about him and fell, sprawling. And they never got any further.”

Und als Resultat erreichte Jesus dort nicht sehr viel. Ich liebe die Ausdrucksweise von Markus: „Und er konnte dort nicht eine einzige Tat tun, außer dass er wenigen Kranken die Hände auflegte und sie heilte.“

Danach ruft Jesus die zwölf Jünger zusammen, schickt sie zu zweit los und gibt ihnen Macht über die unreinen Geister. Sie sollen möglichst wenig mitnehmen: nur Sandalen an den Füßen und ein Hemd auf dem Rücken. Im 12. und 13. Vers sagt uns Markus „12 Und sie zogen aus und predigten, man solle Buße tun, 13 und trieben viele böse Geister aus und salbten viele Kranke mit Öl und machten sie gesund.“

Was das mir sagt, ist, daß das Dienen mit der Macht Gottes, mit dem Heiligen Geist, eine kollaborative Leistung ist. Spielen wir nett mit anderen; d.h. mit Gott; dem Heiligen Geist, oder nicht?

Der Journalist Tom Friedman erzählte eine Geschichte um zu erklären, warum der Friedensprozess im mittleren Osten so oft steckenbleibt. Es ist die Geschichte eines Mannes namens Goldberg. Jede Woche, wenn die Lotterie Ergebnisse angekündigt wurden, betete Goldberg „Lieber Gott, warum gewinne ich nie die Lotterie? Was habe ich falsch getan? Ich bin ein gerechter, ehrenhafter, hartarbeitender Mann. Wäre es so schwer für dich, mich einmal die Lotterie gewinnen zu lassen?“ Die Wolken trennten sich, der Himmel öffnete sich, und eine Stimme kam aus der Höhe. Die Stimme sagte „Goldberg, gib mir doch eine Chance – kauf dir einen Los!“

Diese Geschichte von Markus zeigt uns, daß sogar Jesus mit Begrenzungen zu tun hat. Es ist kein Zufall, daß die Geschichten von letzter Woche der hiesigen Geschichte direkt voranstehen. Denn der Kontrast zwischen unseren heutigen Geschichten und denen von letzter Woche könnte nicht deutlicher sein.

Letzte Woche sahen wir zwei Menschen, die je auf ihre eigene Weise Jesus darum gebeten haben, Heilung zu ihr Leben zu bringen. Wir hatten Jaïrus, den Vorsteher der Synagoge, der Jesus Füßen fällt und ihn darum bittet, in sein Haus zu kommen und seine Hände auf seine todeskranke Tochter zu legen, daß sie geheilt werde.

Wir hatten auch die Frau mit dem Blutfluss, die nicht nur zwölf Jahre lang unter ihrer Krankheit gelitten hat, sondern auch unter den Behandlungen der verschiedenen Ärzte, die sie behandelten. Sie ließ alle Vorsicht außer Acht und drängte sich durch die Menge, denn sie war davon überzeugt, daß sie geheilt werden könnte, wenn sie nur Jesu Gewand berühren konnte.

Sofort nach die zwei Geschichten habe wir die Geschichte von Jesus in seiner Heimatstadt, wo die Menschen ihn ablehnen und verspotten, und er erreicht nur ein wenig, verhältnismäßig. Die Jünger andererseits erreichen große Dinge.

Die Menschen von Nazareth sind nicht dazu bereit, ein Los zu kaufen. Die Menschen von Nazareth spielen nicht nett mit anderen.

Die Jünger aber sind mehr als bereit, das Los zu kaufen. Sie geben ihr Letztes, nehmen Jesus beim Wort, reisen mit geringster Ausrüstung los, und verlassen sich auf die Gastfreundschaft der Menschen, denen sie begegnen werden. In dieser Instanz spielen die Jünger ganz nett mit Anderen.

Der Kernpunkt für uns ist, daß unser Dienst nicht etwas ist, was einfach passiert. Es ist nicht etwas, was Jesus für uns tut, während wir untätig danebenstehen und den Lohn von seiner Arbeit ernten. Dienst ist etwas, womit wir uns aktiv engagieren müssen. Und wenn ich „wir“ sage, meine ich es nicht im kollektiven Sinne dieser Gemeinde. Es heißt, dass jeder einzelne von uns sich am Dienst Zions beteiligt.

Eins der Kennzeichen der Jüngerschaft ist Dienerschaft: christlicher Dienst innerhalb der Gemeinde, aber auch außerhalb in der weiteren Gemeinschaft. Während wir in Glaube und Dienst wachsen, werden wir größeren Möglichkeiten begegnen. Wir werden zunehmend Gelegenheiten haben, bedeutungsvollen Dienst für die umlegende Gemeinschaft und für einander zu leisten.

Dienstleisten ist transformierend. Es ist transformierend nicht nur für diejenigen, denen wir dienen, sondern für uns auch. Die heutige Geschichte von Markus ist einen Drehpunkt im Leben der Jünger Jesu. Bisher sind sie Jesus nachgefolgt, haben Jesus zugeschaut und Jesus zugehört. Nun werden sie losgeschickt, um sich wie Jesus zu benehmen. Bisher sind sie passive Beisteher gewesen. Nun sendet Jesus sie aus, um sich in aktivem Dienst zu engagieren. Und wozu sie fähig sind, ist wirklich erstaunlich. Tatsächlich erreichen sie mehr, als Jesus selber in Nazareth erreicht hat.

Rev. Anthony Roberts, ein Pastor der UCC, erzählt das Folgende, als er eingeladen war, einen Vortrag in einer Gemeinde zu halten, die in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen war.

„Als ich da ankam, um den Vortrag zu halten, wurde ich von einem Kirchenvorsteher begrüsst. Ich bin früh angekommen, und er fragte ob ich eine Führung der grandiosen Gebäude haben wollte. Während wir durchspazierten, erzählte er mir, daß er sich vor 20 Jahren Sorgen um der Zukunft der Gemeinde gemacht hat. In der Tat sagte er: „Ich war ziemlich sicher, daß wir bis jetzt die Türen schon zugemacht hätten. Verstehen Sie, wir waren nur 50 ältere Menschen in diesem großen Gottesdienstraum.“

Dann hellte er auf. „Aber etwas ist passiert. Etwas hat sich geändert. Wir erfahren zurzeit eine Art Erneuerung, eine Wiederbelebung.“

„Tatsächlich“ sagte Ich. „Das ist doch wunderbar“.

„Doch! In der letzten Zeit haben wir vier- bis fünfhundert Leute in der Kirche. Wir haben neue Dienste in der Nachbarschaft. Wir sehen neue Leute, jung und alt, reich und arm, homosexual und heterosexual.“

„Wie erklären Sie das?“ fragte Ich.

Er überlegt einen Moment, Kinn in der Hand. Dann sagte er „Nun ja. Es war nicht der neue Pastor, obwohl er schon einen Unterschied macht.“

„Was hat er getan?“

„Er hat mit Bibelstudium angefangen. Er kann sogar die Botschaft der ganzen Bibel mit nur sechs Worten ausdrücken.“

Ich stöhnte innerlich. „Und was mögen die sechs Worten sein“ fragte ich, skeptisch.

Mein Gastgeber, ein älterer schwarzer Mann, grinste breit. „Die sechs Worte, die die Botschaft der Bibel zusammenfassen? ‚Ich bin Gott, und du nicht.‘“ Wir haben beide gelacht.

„Ich bin Gott, und du nicht.“ Es hört sich vielleicht ein bißchen albern an, ist es aber meiner Meinung nach nicht. Es geht nicht um dich, nicht um uns. Es geht um Gott.

Diese einstmals bedeutende Gemeinde hat sich so sehr auf ihre glorreiche Vergangenheit und einzigartige Prominenz konzentriert, sagte mein Führer, daß sie die echte Quelle der Macht und des Lebens der Kirche vergaß… Die Macht des lebendigen Gottes. Ihr kollektiver Stolz hatten sie gehindert, sich ein Los zu kaufen.

Genau wie der Pastor die Bibel mit sechs Worten zusammenfassen konnte, können wir die Sünde der Gemeinde zusammenfassen: Ego. Es ist die gleiche Sünde wie bei Adam und Eva. Es ist die Sünde des Egos: das Stellen von uns und unsere Bedürfnisse über die Bedürfnisse Gottes.

Das Volk in Nazareth verhinderte den Dienst Jesu, indem sie nicht zugeben wollten, daß er mehr als ein einfacher Zimmerman sein konnte. Es war die Sünde die Egos; sich höher als Gott einzustufen. In diesem Fall buchstäblich, wegen die Art, wie sie Jesus niederputzten.

Wir tun aber das Gleiche. Wenn wir sagen, wir haben keine Zeit, um etwas in der Kirche zu tun, in irgendeiner Art Dienst mitzumachen, sagen wir, daß unsere Zeit und Bedürfnisse wichtiger sind als die Gottes.

Wenn wir Dich dazu ermutigen, bei einem Dienst der Kirche zu helfen, dich mit christlicher Dienerschaft zu engagieren, heißt es nicht, daß dein ganzes Leben der Kirche gewidmet wird. Wir bitten nur um ein kleinen Teil davon. Ein Zehntel deiner Zeit.

Wenn wir uns weigern, am Dienst der Kirche teilzunehmen, verhindern wir, genauso wie die Leute aus Nazareth, die Arbeit Christi, indem wir seinen Zugang zu den Gaben versperren, die Gott uns geschenkt hat; Gaben die für den Dienst des Leibes Christi nötig sind. Jede von uns wurde einzigartig geschaffen, mit einzigartigen Gaben, zum Zweck des einzigartigen Dienstes, zu dem wir berufen sind. Wenn wir unsere Berufung versäumen, enthalten wir Gott den Gebrauch unserer Gaben. Das Endergebnis ist, daß dein einzigartiger Dienst unerfüllt bleibt.

In Nazareth schafft Jesus nur ein wenig. Wenn die Jünger sich zum Dienst bereitstellen, schafft er viel. Und die Jünger werden weiterhin noch mehr schaffen. Nicht nur während der Zeit der Gegenwärtigkeit Christi auf Erden, sondern noch mehr nach seinem Tod und Auferstehung.

Wir sind auch ein Teil dieser fortlaufenden Arbeit. Denk einfach mal nach: Was für eine Kraft erfahren wir, wenn wir christlichen Dienst leisten? Du änderst die Leben deiner Mitmenschen. Du erfährst die Kraft Christi im eigenen Leben. Du wirst tiefer in das Leben einer lebensspendenden Gemeinschaft gezogen. Du wirst tiefer in deine Beziehung mit Gott gezogen. Und Du bist Teil eines Erbes, das sich über 2000 Jahre zurückstreckt.

Oder man kann einfach Fernsehen gucken.

Welches wird einen dauerhaften Einfluss auf dein Leben haben? Welches wird die Welt ändern?
Komm doch mit. Kauf dir ein Los. Komm, um mit Jesus zu spielen. AMEN

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Pastor's Blog
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