June 3, 2018: 3rd Sunday after Pentecost (Deutsche)

3. Sonntag nach Pfingsten: 5. Mose 5,12-15 und Markus 2, 23 – 3,6
Pastor Anke Deibler
Zionskirche, den 3. June 2018

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen.

Das heutige Evangelium erinnert mich an einen Vorfall in unserem Gymnasium. Zwei meiner Töchter waren Teil der Theatertruppe. Eines Tages während einer Probe geriet der Bühnenvorhang in Brand. Ein Feuerlöscher hing an der Wand. Die Lehrerin, die die Gruppe leitete, griff den Feuerlöscher und gab ihn einem Schüler, der den Brand löschte.

Wie es sich herausstellte, hatte die Lehrerin nicht die Erlaubnis, einen Feuerlöscher zu benutzen. Nur autorisierte Leute durften das tun. Wenn sie das Feuer selbst gelöscht hätte, hätte sie darüber ihren Beruf verloren. Unglaublich. Sie machte ein Schild und klebte es über dem Feuerlöscher an die Wand: „Im Falle eines Feuers, nicht benutzen!“ Die Schule entfernte es sofort.

Ich kann einsehen, warum man idealerweise eine trainierte Person haben möchte, um einen Brand zu löschen. Daher kann ich verstehen, warum so ein Gesetz geschrieben wurde. In der Praxis war es allerding Blödsinn. Sollte die Lehrerin den Vorhang brennen lassen, nach Hilfe suchen und auf eine autorisierte Person warten? Könnt ihr euch vorstellen, mit was für einem Feuer die dann umzugehen hätten?

Manchmal stammen Gesetze aus guten Vorsätzen, aber gehen nach hinten los, wenn sie angewendet werden. Das Gleiche geschieht im Evangelium heute. Zweimal stösst Jesus gegen die Gesetze der Eihaltung des Sabbats. Das erste Mal beschweren sich die Leute, weil Jesu Jünger am Sabbat Getreide pflücken; das ist Ernten, und Ernten ist Arbeit und ist daher am Sabbat nicht erlaubt. Das zweite Mal heilt Jesus einen Mann mit verdorrter Hand; Heilen ist Arbeit und daher am Sabbat verboten.

Jesus ist sehr frustriert. Sogar zornig, wie wir lesen. Lass uns herausfinden, warum Jesus so zornig war.

Jesus ist nicht gegen die Sabbateinhaltung. Im Gegenteil, Jesus hat selbst treu den Sabbat gepflegt. Er ist zum Gottesdienst in der Synagoge gegangen, hat sich zum Gebet zurückgezogen und war sehr für einen Tag der Ruhe, der einen mit Gott und Gottes Volk verbindet.

Was ihn zornig machte, war die strenge Überwachung dieses Tages, den Gott als Geschenk gedacht hatte. Die religiösen Autoritäten haben alle Leute beobachtet und versucht, die Sabbatregeln durch Scham und Peinlichkeit und Lästerung zu forcieren. Damit verdrehten sie ein Geschenk Gottes in ein Gesetz. Diese Leute wollten Religiosität gesetzlich erzwingen.

Das funktioniert nie. Niemals. Egal welche Religion man sich anschaut, wann immer eine Gruppe leidenschaftlicher Gläubiger sich zusammentat und entschied, wie die Anhänger leben sollen, und dann das Verhalten erzwungen hat, haben Dinge am Ende eher wie ein Polizeistaat ausgesehen, als wie das Gottesreich auf Erden.

Unter den Puritanern konnte man ins Gefängnis kommen, wenn man den Gottesdienst schwänzte. In den Städten der schweizer Reformation durften Leute keine Gardinen haben, damit die religiösen Aufpasser immer sehen konnten, was in den Häusern vor sich ging, und sicher machten, dass es zugelassenes Benehmen war. Im Buch „Old Sassy Tree“ beschreibt die Autorin, wie in der südlichen Kleinstadt am Anfang des letzten Jahrhunderts die Zungen gingen, wenn der Unterrock der Pfarrersfrau sichtbar war.

Sie beschreibt auch den Jungen in der Family, der sich vor Sonntagen fürchtete. Sie waren die langweiligsten Tage der Woche. Er musste zur Kirche gehen. Danach musste er seine guten Kirchklamotten anbehalten. Er durfte nicht die Witze in der Zeitung lesen, denn es war Sabbat. Er durfte nicht spielen, denn es war Sabbat. Wahrhaftig der ödeste Tag der Woche.

Und das, wo Gott den Sabbat als willkommenes Geschenk gedacht hat. Gott wollte nicht, dass er eine Last werde, ein gefürchteter Tag, eine wöchentliche Plage. Sabbat sollte nicht der Tag sein, an dem man für Gott leidet.
Stattdessen sollte es ein Tag der Rast sein, der Zeit mit Gott, des Wiederaufbaus von Körper und Seele. Und was genau deine Seele aufbaut, kann so vielfältig sein, wie Menschen vielfältig sind.

Zum Beispiel lieben Manche lange Phasen der Stille im Gottesdienst, für gebet und Meditation. Vor ein paar Wochen war ich auf einer Freizeit, wo ein Pastor uns zu fünf Minute stiller Meditation aufrief. Hinterher sagten etliche Teilnehmer, wie wunderbar das war. Ich war nach zwei Minuten fertig. Dies ist einfach nicht meine Art von Verbindung mit Gott. Ein mitreissender Choral oder eine herausfordernde Predigt sind eher mein Ding.

Das heisst nicht, dass eine Art der Meditation richtig und die andere Falsch ist. Es zeigt einfach, dass verschiedene Menschen verschieden Wege haben, sich mit Gott in Verbindung zu setzen. Und das ist okay.

Der Sabbat sollte für das genutzt werden, was deine Seele aufbaut. Wenn Gartenarbeit dir eine Last ist, dann tu sie nicht; wenn Gartenarbeit dir Freude macht und du vor dich hin summst, während du deine Pflanzen betreust, dann mach es. Wenn du Aufräumen hasst, dann lass es am Sabbat sein; wenn Ordnung Schaffen in dir ein Gefühl von Frieden und Ruhe verursacht, dann nur zu.

Haltet den Sabbat ein. Bitte, bitte. Haltet ihn als das Geschenk, das Gott im Sinn hat. Macht ihn zu einem Tag von Gottesdienst und Rast und Wiederaufbau und Freude.

Tut es nicht aus Verpflichtung; und versucht nicht, anderen zu erzählen, wie sie ihn halten sollen.

Tut es stattdessen aus der Motivation heraus, die Gott in der Lesung aus dem fünften Buch Mose auslegt: Tut es aus Dankbarkeit. Tut es, weil ihr euch daran erinnerst, wie es euch als Sklaven erging, als ihr nie einen freien Tag hattet, und ihr schriet um Hilfe und Erlösung; und kam und hat euch befreit. Nun habt ihr das Geschenk und die Freude eines Ruhetages. Sieh zu, dass du nicht in das Verhalten von Sklaven zurückfällst. Sieh zu, dass du einen Tag für Gott und göttliche Dinge nimmst, die dir Energie und Freude und Geist geben. Sieh zu, dass jeder in deiner Gesellschaft solch einen Tag bekommt, sogar der Sklave und der Fremde. Sieh zu, dass du Gott lobst und preist, indem du sein Geschenk des Sabbats entgegennimmst.

Gottes Regeln aus Liebe und Dankbarkeit folgen, ist für unsere eigene spirituelle Gesundheit und unsere eigene Freude wichtig.

Es ist aber auch wichtig für unsere Berufung, Zeugen von Gottes Güte in der Welt zu sein. In meinem Predigtstudium diese Woche fand ich ein Zitat, dass mich nachdenklich machte. Es wurde vor über einem halben Jahrhundert von Abraham Joshua Heschel geschrieben, in seinem Buch „God in Search of Man“:

Es ist üblich, weltliche Wissenschaft und anti-religiöse Philosophie für das Verblassen von Religion in der modernen Gesellschaft zu beschuldigen. Es wäre ehrlicher, Religion für ihren eigenen Niedergang zu beschuldigen. Religion ist nicht geschrumpft, weil sie widerlegt wurde, sondern weil sie unwichtig, langweilig, erdrückend und fade wurde. Wenn Glaube völlig von Bekenntnis ersetzt wird, Gottesdienst von Disziplin, Liebe von Gewohnheit; wenn Glaube ein Erbe ist, statt eines lebendigen Brunnens; wenn Religion nur im Namen von Autorität spricht statt mit der Stimme der Barmherzigkeit – dann wird ihre Botschaft bedeutungslos.

Das ist genau, was geschah, als Jesus am Sabbat geheilt hat: Autorität hat Mitleid verdrängt und die ursprüngliche Nachricht von der Güte Gottes wurde übertönt. Wer will schon so einer Kirche beitreten?

Ich kenne viele Leute, die aus Kirchen ausgetreten sind, weil sie mit Autorität statt mit Barmherzigkeit behandelt wurden: Die junger Frau, die aus dem Kirchenchor geschmissen wurde, weil sie unehelich schwanger wurde; die Gebetsleiterin, die nicht mehr im Gottesdienst mithelfen durfte, weil ihrem Pastor von ihre Zweifelsphase berichtete; der Mann, der 42 Jahre lang kann Abendmahl erhielt, weil er eine geschiedene Frau geheiratet hatte, der junge Mann, der homosexuell war und aus der Kirche gewiesen wurde.

Was sagen solche Erfahrungen über die Kirche? Wenn Autorität und Gesetz lauter spricht als Liebe und Barmherzigkeit, was für ein Gottesbild verbreiten wir dann? Wer wird dann Jünger werden wollen?

Lass uns das Geschenk des Sabbats willkommen heissen: ein Tag des Gottesdienstes, der Rast, der Inspiration, des Aufbaus; ein Tag, an dem wir aus dem Brunnen des Wassers des Lebens trinken. Ein Tag, der uns an Gottes Güte erinnert. Ein Tag, der uns hilft, fröhliche Kinder Gottes in der Welt zu sein, Boten des Friedens, in der Lage, andere Menschen in die heilende Gegenwart Christi zu bringen.

Möge Gott dich segnen, an diesem Sabbat und immerdar. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

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