March 4, 2018: Lent 3B (Deutsche)

Lent 3B, 2018. Zion, Baltimore.
Exodus 20:1-17; Psalm 19; 1 Corinthians 1:18-25; John 2:13-22
Pastor Eric Deibler

Die Wüste ist ein seltsamer, wunderbarer Ort. Sie ist einer dieser Orte, die sofort transformiert werden können. Tagsüber scheint sie verlassen und lebenslos zu sein. Und in dem Moment, wo die Sonne untergeht and der Sand etwas abkühlt, krabbeln plötzlich alle möglichen Kreaturen herum.

Die Wüste ist aber auch einen Ort der Transformation. Das war von den frühen christlichen Mystikern erkannt worden. Sie waren als die Wüsten-Väter und Wüsten-Mütter bekannt. Sie haben sich absichtlich von der größeren, generellen Gemeinschaft abgetrennt, denn sie haben wahrgenommen, daß sie dort in der Wüste total allein sein würden. Sie haben erkannt, daß ganz allein zu sein hieß, irgendwann von sich selbst und von Gott konfrontiert zu werden.

Sie waren Eremiten, lebten aber nicht in Einsamkeit. Mindestens, nicht unbedingt. Sie haben eine einzigartige Gastfreundschaft geübt. Sie haben jedermann willkommen geheißen. Sie haben jedermann versorgt. Sie waren in der Tat die ursprünglichen „Spiritual Directors“. Menschen kamen zu ihnen, um Beratung und Belehrung in deren Beziehung mit Gott zu bekommen. Die Wüsten-Väter und -Mütter waren nicht die ersten, die die Wüste oder Wildnis als Ort der Transformation erkannt haben.

Die Bibel zeigt uns genau das immer und immer wieder. Unsere Geschichte für heute von Buche Exodus ist einer von diesen Transformations-Momenten. Es ist ein entscheidender Moment. Es ist so ein entscheidender Moment, weil das Volk Israel durch diesen Moment neu definiert wird.

Erstens gibt es ihm einen Sinn der Einheit. Die Leute, die mit Mose aus Ägypten ausgewandert sind, waren nicht eine gleichartige Gruppe. Es war nicht einfach eine Menge Hebräer. Es waren Hebräer und Ägypter, und auch wer sonst es geschafft hatte, mit Mose und seiner Masse dem erdrückenden Sklaven-Leben in Ägypten zu entkommen. Also ist die Gabe der Zehn Gebote ein Moment, das die Menge als ein Volk zusammenbindet.

Die Gebote tun auch was anderes. Die Gebote und was sie von dem Volk verlangen, sondern sie von der generellen Bevölkerung der Gegend ab. Die zehn Gebote werden heutzutage oft als allgemeine moralische Prinzipien gesehen; Lebensregeln, welche alle Leute aus alle Kulturen anerkennen können und sollen. Aber einige der Gebote waren ganz spezifisch für das Volk Israels. Die Voraussetzung der Monotheismus hätte sie abgesondert. Das Verbot gegen Bildnisse des Göttlichen hätte sie abgesondert. Das war umso mehr der Fall während des babylonischen Exils, mit dem Gebot den Sabbat zu heiligen, als der Sabbat und die Koscher-Gesetze zu einem wichtigen Mittel wurden, wodurch die Juden sich von deren Eroberer unterschieden haben.

Die Gebote sind deswegen etwas mehr als allgemeine moralische Prinzipien. Sie sind ein Kennzeichen einer sonderlichen Beziehung mit Gott. Sie sind das Mittel, wodurch die Israeliten es versucht haben, in dieser Beziehung treu zu bleiben.

Durch diese Linse angeschaut, drehen sich auch einige der anderen Gebote um die Treue. Die Gebote gegen Ehebruch, falsches Zeugnis, und Begehren kann man als allgemein nützliche Richtlinien für Ordnung in der Gemeinschaft ansehen; Sie können aber auch die Absicht verlangen, dem Nächsten treu zu sein, und dadurch die treue Beziehung des Volkes mit Gott wiederspiegeln.

Der Bund vom Sinai und sein praktischer Ausdruck durch das Gesetz, ist der konkrete, äußerliche Ausdruck von Gottes Bundes-Verheißung, die Sünde der Welt nicht zu zerstören, sondern zu erlösen. Er schildert eine Lebensart, wo Korruption und Gewalt durch Treue und Gerechtigkeit ersetzt werden. Die Gebote sind eine Weise, das Volk Israels abzusondern, so daß sie einzigartig sind in ihrer Identität als Volk Gottes und als Quelle des Segens für die Welt.

Dieses Thema wird im Johannesevangelium wiederholt. Johannes sagt uns, daß Jesus die Kaufleute so anklagt, weil sie den Tempel zum Kaufhaus gemacht haben. Sie respektieren nicht die Heiligkeit des Tempels, indem sie den Tempel wie alle anderen Orte behandeln. Der Tempel sollte ein Ausdruck der Beziehung zwischen Gott und Gottes Volk sein, genauso wie die Zehn Gebote. Der Tempel sollte ein abgesonderter Ort sein, eine geweihte Stelle, wohin die treuen Menschen kommen können, um der Gegenwärtigkeit Gottes bewußt zu sein. Der Tempel ist der Ort, wo der heilige Name wohnt. Daher im Tempel zu sein, ohne die Berufung zu berücksichtigen, mit Gott co-kreativ aktiv zu sein, heißt, die Realität von Gottes Gegenwart und Segen abzuerkennen. Die Kaufleute und Geldwechsler erkennen nicht die Einzigartigkeit des Tempels, diesen abgesonderten Status, also treibt Jesus sie aus.

Umso wichtiger ist es, wenn Jesus die symbolische Verbindung macht zwischen seinem Körper und dem Tempel. Jesus wird als die Stelle dargestellt, wo Gottes Wort Fleisch wird und unter uns wohnt. Das Leben und Dienst Jesu sind die besondere Offenbarung von Gottes Segen, der das menschliche Leben führt und durchdringt. Jesus ist das perfekte Beispiel von der Verkörperung göttlicher Ideale in menschlicher Realität. Leben, Tod, und Auferstehung Jesu zeigen uns, wie Gott Korruption und Gewalt in Treue und Gerechtigkeit umwandelt.

Die Passionszeit ist ein kollektives Wüstenerlebnis. Es ist eine Zeit, wenn wir es versuchen, viel von unserem Leben abzustreifen, was uns einengt. Es ist eine Zeit, die wir absichtlich absondern, um unser Leben in Christus genau zu betrachten. Es ist eine Zeit, wann wir überlegen, was es heißt, als Volk Gottes abgesondert zu sein.

Erkennen wir überhaupt, daß unsere Leben abgesondert sind? Oder erlauben wir es der Welt, unsere Leben einzunehmen, genauso wie die Kaufleute und Geldwechsler es in dem Tempel getan haben? Unsere Leben sind ein sakraler Ort. Unsere Leben werden abgesondert zu einem bestimmten Zweck, identifiziert ganz und gar als Gott zugehörig. Unsere Leben als Kinder Gottes sind dazu bestimmt, ein Ausdruck der Beziehung zwischen Gott und der Welt zu sein, genauso wie die Gebote. Unsere Leben sind dazu bestimmt ein abgesonderter Ort zu sein; ein geweihter Ort, wo Menschen die Gegenwart Gottes sehen können. Unsere Leben ist der Ort, wo der heilige Name wohnt. Unsere Leben zu bewohnen, ohne die Berufung zu berücksichtigen, mit Gott co-kreative aktiv zu sein, heißt, die Realität von Gottes Gegenwart und Segen abzuerkennen.

Ich bin nicht ein Anhänger der sogenannten „Entscheidungs-Theologie“. D.h., daß unsere Entscheidung für Christus unsere Erlösung etabliert. Aber wenn wir die Gabe der Gnade Gottes erkennen; wenn wir die Gabe des Glaubens erkennen, und was er uns in den allgemeinen Gegebenheiten des Lebens bedeutet, dann werden wir dazu gezwungen zu entscheiden, wie wir auf diese Gnade antworten.

Die Gebote stellen Anforderungen an das Volk Israels, welche sie von der allgemeinen Kultur absondern. Wenn Leute unsere Leben anschauen, sehen sie irgendeinen Beweis dafür, daß wir als Volk Gottes abgesondert seien? Dient unser Benehmen als äußerliches sichtbares Zeichen der inneren Beziehung, des innenwohnenden Geistes Gottes, oder nicht?

Wie schon gesagt, die Passionszeit ist ein kollektives Wüstenerlebnis. Idealerweise ist es eine Zeit, wenn wir es versuchen, dem Eindringen der Welt von unserem Leben abzustreifen. Es ist eine Zeit, wenn wir uns absichtlich auf unsere Beziehung mit Gott konzentrieren und diese Beziehung ganz ehrlich und unnachgiebig beurteilen. Und das ist keine leichte Sache. Das Leben, Tod, und Auferstehung Jesu zeigen uns, wie Gott Korruption und Gewalt in Treue und Gerechtigkeit umwandelt. Können wir ehrlich sagen, daß wir das eigene Leben so führen, daß Korruption und Gewalt in Treue und Gerechtigkeit umgewandelt werden? Leben wir auf die Art, zu der uns Gott berufen hat? Leben wir als Zeichen der erlösenden Gegenwart Gottes in der Welt?

Leben wir als Körper Christi in der Welt? Wir alle müssen uns diese Frage stellen. Es ist eine Frage, die in der Einsamkeit der Wüste lebendig wird. Es ist eine Frage, durch die wir sowohl von Gott als auch von uns selbst konfrontiert werden. Es ist eine Frage, die uns an einen Ort der Transformation einlädt.

Ein transformiertes Leben zu führen, ist nicht etwas, was von alleine passiert. Ein transformiertes Leben kommt nicht durch irgendein heiliges Hocus Pocus von Gott. Ein transformiertes Leben ist nicht etwas, was uns angetan wird. Ein transformiertes Leben zu führen, heißt zu erlauben, daß das eigene Leben transformiert wird. Es heißt, uns am Tod Jesu zu beteiligen. Es heißt aber auch, uns an der Auferstehung Jesu zu beteiligen. Das Sterben ist weder bequem noch leicht. Das gilt auch für das Auferstehen.

Sterben und Auferstehen können beide schmerzhafte Erfahrungen sein. Warum sollen wir uns dann damit abgeben? Warum sollen wir uns mit Transformation abgeben? Warum sollen wir uns mit dem Sterben des Selbst abgeben? Warum sollen wir uns mit dem Auferstehen abgeben? Weil wir nur durch das Sterben des Selbst und das auferweckt Werden, die wahre Barmherzigkeit, Liebe, und Gnade Gottes erfahren können. Körper sind wichtig. Dein Körper ist wichtig. Er ist die Art, auf die Du die Wahrheit des Evangeliums verkörperst. Am Ende sagt Jesus, sein Körper sei der Standort Gottes. Deiner auch. Er muß es sein. Gott verlässt sich darauf, denn Gott liebt die Welt. Jesus verlässt sich darauf, denn seine Inkarnation kam am Kreuz zu ihrem Ende. In deinem Körper wird das Wort zum Fleisch – immer wieder, und immer wieder. AMEN

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Pastor's Blog
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